Nicole Ziese

Wie Sie Asbest im Dach erkennen

Die Dacheindeckung ist in die Jahre gekommen, das Dach soll gedämmt oder der Dachboden ausgebaut werden: In all diesen Fällen steht eine Dachsanierung an. Dabei handelt es sich stets um eine größere Baumaßnahme, die sorgfältig geplant sein möchte. Eine besondere Herausforderung stellt eine Dachsanierung jedoch dar, wenn es sich um ein Asbest-Dach handelt. Denn Asbest ist ein hoch krebserregender Stoff, bei dessen Abbau und Entsorgung spezielle Regeln gelten.

Asbest: Dach mit Handlungsbedarf?

Der Einsatz von Asbest ist in Deutschland seit 1993 verboten. Trotzdem haben nach einer Schätzung des Schieferproduzenten Rathscheck Schiefer noch immer rund 4,6 Millionen Häuser hierzulande ein Asbest-Dach. Allerdings müssen Sie als Hausbesitzer nicht in jedem Fall sofort aktiv werden. Solange der Asbest lediglich als Dacheindeckung verwendet wurde und die Asbestplatten intakt sind – also die Asbestfasern im Material gebunden sind – besteht nicht unbedingt Handlungsbedarf.

Zwingend erforderlich ist eine Dachsanierung in folgenden Fällen:

  • Asbestplatten sind beschädigt: Wenn aufgrund der Witterung die Oberfläche der Asbestplatten beschädigt ist oder Stücke abgebrochen sind, müssen Sie zeitnah eine Dachsanierung durchführen lassen.
  • Umbau am Dach geplant: In ein Asbest-Dach dürfen Sie keine Dachfenster oder Gauben neu einbauen. Denn durch das Bearbeiten, insbesondere das Schneiden der Asbestplatten, würde der krebserregende Stoff Asbest freigesetzt werden.
  • Dachreinigung erforderlich: Ist das Dach im Laufe der Zeit unansehnlich geworden, kann man die meisten Dacheindeckungen reinigen und neu beschichten. Dies ist bei einem Asbest-Dach auf keinen Fall möglich. Durch das Reinigen und Streichen würden sich Asbestfasern lösen.
  • Schädlingsbefall: Haben Schädlinge ihren Weg ins Dach gefunden, müssen Sie davon ausgehen, dass Ihr Dach beschädigt wurde. Eindringlinge wie Waschbär, Marder und Co. setzen Asbestfasern frei, und das Dach muss dann saniert werden.

Anders sieht der Fall aus, wenn sich herausstellt, dass ein Dach mit Asbest gedämmt wurde. Hier ist das Risiko sehr hoch, dass sich Asbestfasern lösen, auch wenn die Dämmung nicht beschädigt oder verändert wurde.

Drei Handwerker entfernen Asbestplatten


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Wie können Sie erkennen, ob Asbest im Dach ist?

Bei Asbest handelt es sich um Mineralfasern, die zu unterschiedlichen Baustoffen verarbeitet wurden. Ob eine Dacheindeckung oder eine Dämmung Asbest enthält, ist durch den bloßen Augenschein nicht in jedem Fall zu erkennen. Dies gilt für Bauherren, aber auch für Fachleute. Allerdings gibt es einige Anhaltspunkte, anhand derer Hausbesitzer erkennen können, ob sie ein Asbest-Dach haben:

  • Bestehende Unterlagen prüfen: Wenn es sich um ein Architektenhaus handelt, finden sich womöglich in den Bauunterlagen Angaben zu den verbauten Werkstoffen wieder. Bei größeren Häusersiedlungen ist es sinnvoll, den Bauträger zu kontaktieren – wenn dieser noch existiert. Auch bei ihm erhalten Sie unter Umständen Informationen, ob und an welcher Stelle asbesthaltige Stoffe verbaut wurden.
  • Bau- oder Sanierungsjahr: Asbest wurde insbesondere seit 1900 als Baustoff verwendet und in Deutschland 1993 verboten. Bei Häusern, die in diesem Zeitraum errichtet oder saniert wurden, besteht also ein erhöhtes Risiko, dass sich im Dach Asbest befindet.
  • Optik: Dacheindeckungen aus Asbest sind oft an der Optik zu erkennen. Asbestplatten sind meist wellenförmig und haben eine graue Farbe. Zudem besitzen Asbest-Wellplatten eine raue Oberfläche. Anders sieht dies zum Beispiel bei einer Asbestdämmung aus. Diese lässt sich optisch kaum von manch anderem Dämmstoff unterscheiden.
  • Einsatzgebiet: Asbest wurde in vielen Hundert Produkten eingesetzt. Im Dach findet sich Asbest vorrangig im Bereich der Dacheindeckung sowie in der Wärmedämmung. Allerdings wurde Asbest auch in Kabelschächten und als Kleber eingesetzt.

Wichtig: All diese Punkte können nur einen ersten Anhalt liefern, ob ein Dach tatsächlich mit Asbest belastet ist oder nicht.

Asbest in einer Wand
Kosten einer Dachsanierung: Kostenfalle Asbest, hier eine Asbestplatte in Nahaufnahme
Asbest Nahaufnahme


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Der Asbest-Test vom Fachmann

Bauherren sind dazu verpflichtet, die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zum Rückbau und zur Entsorgung durchzusetzen. Daher gibt es im Zweifelsfall nur eine Möglichkeit: Durchführung eines Asbest-Tests - und im Falle eines positiven Tests die Sanierung des Daches gemäß den strengen Vorgaben, die für ein Asbest-Dach bestehen.

Auch qualifizierte Fachbetriebe, die über eine Zertifizierung nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe-TRGS 519 verfügen, können nicht immer allein durch Augenschein sicher einstufen, ob es sich um ein Asbest-Dach handelt. Vielmehr müssen sie einen Test durchführen. Hierbei entnimmt man, unter Einhaltung der Sicherheitsregeln, eine Probe des Stoffes und lässt sie im Labor untersuchen. Besteht der Verdacht, dass eine asbesthaltige Dämmung verbaut wurde, kann man anstelle einer Materialprobe auch die Raumluft auf Asbestfasern testen.

Asbestentsorgung auf dem Dach
Asbestentsorgung


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Es sind auch Asbest-Tests über das Internet erhältlich. Allerdings ist von der Verwendung eher abzusehen. Einerseits ist fraglich, wie aussagekräftig die Testergebnisse sind, andererseits sollte der Umgang mit Asbest echten Fachleuten überlassen werden. Dies gilt besonders dann, wenn für den Test eine Probenentnahme erforderlich ist.

Hintergrund: Warum wurde so viel Asbest verbaut?

Asbest wurde Jahrzehnte lang als Baustoff verwendet, weil das Material hervorragende bautechnische Eigenschaften besitzt. Schon die Wortherkunft deutet daraufhin: Asbest leitet sich vom Lateinischen asbestos beziehungsweise Griechischen ásbestos (líthos) ab, was so viel heißt wie unzerstörbar(er Stein). Zu den wichtigsten positiven Eigenschaften zählen:

  • Hitzebeständigkeit: Asbest hält Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius stand und ist damit praktisch nicht brennbar.
  • Langlebigkeit: Asbest wird durch Fäulnis und Korrosion kaum beschädigt, was zu der hohen Lebensdauer von Asbest-Dächern führt.
  • Stabilität: Asbest besitzt eine sehr hohe Zugfestigkeit, die sogar mit Stahl konkurrieren kann.
  • Vielseitige Verwendung: Asbestfasern lassen sich gut mit anderen Materialien mischen. Daher gibt es so viele unterschiedliche Einsatzgebiete.
  • Geringe Wärmeleitfähigkeit: Aufgrund seiner geringen Wärmeleitfähigkeit wurde Asbest als Wärmedämmung verwendet.

Allerdings besitzt Asbest auch zahlreiche negative Eigenschaften: Die Asbestfasern sind so klein, dass sie mit der Atemluft in die Lungen eindringen und schwere Erkrankungen auslösen können. Hierzu zählen insbesondere: Asbestose, Lungenkrebs, Tumore im Bauchfell, Tumore im Herzbeutel, Eierstockkrebs, Kehlkopfkrebs.

Wichtig: Die Phase zwischen dem Einatmen der Fasern bis zum Ausbruch der Erkrankung dauert oftmals mehrere Jahrzehnte. Sehr häufig werden die Erkrankungen erst in einem späten Stadium festgestellt.

Wie hoch ist die Gefahr durch Asbest heutzutage?

Seit dem 1. Januar 1993 sind Produktion und Einsatz von Asbest in Deutschland verboten. Trotzdem stellt Asbest auch heutzutage noch eine aktuelle Gefahr für alle dar, die im Baugewerbe und in der Abfallwirtschaft tätig sind oder Sanierungsmaßnahmen durchführen. Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland jedes vierte Haus durch Asbest belastet ist. Das betrifft nicht immer das Asbest-Dach. Vielmehr findet sich der krebserregende Stoff auch in Klebern, Putzen, Öfen und Heizungen sowie in Estrich, Zement und in Rohren als auch allgemein in Dämmungen.

Handwerker entfernen alte Asbestplatten
Asbestsäcke


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Daher ist nach wie vor eine Vielzahl an Menschen Asbest ausgesetzt. Hinzu kommt, dass die Symptome nach dem Kontakt mit Asbestfasern zum Teil erst Jahrzehnte später auftreten. Pro Jahr sterben allein in Deutschland rund 1.500 Menschen, bei denen eine Berufserkrankung aufgrund von Asbest bescheinigt ist. Die Zahlen zeigen: Eine Sanierung von eines Asbest-Daches gehört in die Hände von ausgewiesenen Fachleuten.

Zusammenfassung

Für den Rückbau und die Entsorgung eines Asbest Daches gelten spezielle Vorschriften. Außerdem sind hohe Kosten und ein zusätzlicher zeitlicher Aufwand damit verbunden. Bauherren müssen sich also vor einer Dachsanierung informieren, ob sie ein Asbest-Dach haben oder nicht. Hierbei ist folgendes Vorgehen sinnvoll:

  • Ersteinschätzung anhand der Aspekte: Baujahr, Optik, Einsatzgebiet der verdächtigen Materialien
  • Asbest-Test vom Fachbetrieb

Wichtig: Asbestfasern sind hoch krebserregend. Daher sollte ein Asbest Dach keinesfalls von einem Laien rückgebaut werden. Auch von einem Asbest-Selbsttest ist abzuraten.

Jetzt weiterlesen: Diese Varianten gibt es bei der Dachdämmung, folgende Kosten kommen auf Sie zu und jene Zuschüsse können Sie erhalten.

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