Nicole Ziese

Asbest entsorgen: Ein Fall für Spezialisten

Im 20. Jahrhundert waren asbesthaltige Werkstoffe im Hausbau weit verbreitet. In Dacheindeckungen und Wärmedämmungen kamen asbesthaltige Produkte vor, die bis heute in vielen Häusern stecken. Spätestens bei einer Dachsanierung oder beim Ausbau des Dachgeschosses müssen Sie Asbest ausbauen und entsorgen lassen.

Welche Arten von Asbest finden sich im Dach?

Asbest hat viele Eigenschaften, die das Material einst zu einem beliebten Baustoff machten. Er ist langlebig und feuerbeständig, lässt sich leicht verarbeiten und ist unempfindlich für Schimmel und Fäulnis. Daher wurden Asbestfasern im Bereich des Daches vielfach für die Dacheindeckung verwendet, in Form von sogenannten Eternitplatten. Das Problem: Asbestfasern gelten gemäß der Gefahrstoffverordnung als besonders gefährliche krebserregende Gefahrstoffe.

Abgerissenes Haus mit Asbest-Säcken im Vordergrund


Foto:

Zusätzlich finden sich Asbestfasern in Dämmstoffen: sowohl zur Wärmedämmung als auch zur Dämmung von Kabelschächten. Und schließlich stecken Asbestfasern in zahlreichen Fassadenverblendungen bei Häusern, die im vergangenen Jahrhundert erbaut oder saniert wurden. Insgesamt befinden sich Asbestfasern in Hunderten von Produkten, nicht nur in der Bauwirtschaft.

Für die Entsorgung ist primär eine Unterscheidung relevant. Nämlich, ob es sich um

  • schwach gebundene oder ungebundene Asbestfasern oder
  • Produkte mit fest gebundenem Asbest handelt.

Schwach oder nicht gebundener Asbest

Bei Asbest geht die Gesundheitsgefahr von den Asbestfasern aus: Die Fasern sind so klein, dass sie mit der Atemluft in die Lunge gelangen und dort Erkrankungen, unter anderem Krebs, auslösen können. In Produkten, bei denen die Asbestfasern nicht fest gebunden sind, lösen sie sich fortwährend, sodass eine permanente Gesundheitsgefahr besteht. Rund ums Dach ist dies besonders bei asbesthaltigen Dämmstoffen der Fall.

Asbestfasern


Foto:

Fest gebundener Asbest

Um fest gebundenen Asbest handelt es sich beispielsweise bei Asbestplatten wie sie zur Dacheindeckung verwendet wurden. Hier können sich die gefährlichen Asbestfasern nur lösen, wenn die Plattenoberfläche von der Witterung angegriffen ist.

Wer darf Asbest entfernen? Was ist zu bedenken?

Konkret müssen Sie folgende Aspekte bei der Entsorgung von Asbest beachten:

Fachfirma: Mit dem Abriss und der Entsorgung eines Asbest-Daches sollten Sie unbedingt eine Fachfirma mit dem Sachkundenachweis nach TRGS 519 beauftragen. Theoretisch können auch Privatpersonen Asbest entsorgen. Allerdings ist dies aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen und der Gesundheitsgefahr nicht sinnvoll. Die Fachleute müssen während des Abrisses und der Vorbereitung auf den Transport eine Asbest-Schutzausrüstung tragen.

Abriss von Asbest-Produkten: Während des Abrisses eines Asbest-Daches muss dieses kontinuierlich befeuchtet werden oder zuvor mit einem staub- und faserbindenden Mittel besprüht werden. Dies sorgt dafür, dass sich während der Abrissarbeiten keine Fasern lösen.

Asbestsäcke


Foto:

Verpackung für den Transport: Fest gebundener Asbest, also insbesondere Asbestplatten, verpacken die Entsorger in reißfeste und staubdichte Spezialsäcke, sogenannte Platten- oder Big-Bags. Alternativ kann eine Entsorgung in Spezial-Containern erfolgen. Schwach oder nicht gebundener Asbest muss vor dem Transport und der Entsorgung in Zement eingegossen werden. Kleinere Mengen Asbest können auch in der sogenannten Fass-in-Fass-Methode gesichert werden. Hierzu verpackt man den Asbestabfall in zwei Fässer, deren Hohlräume ebenfalls mit Zement verfüllt werden.

Vorbereitung für den Transport: Die verpackten Asbestabfälle müssen in der Regel auf Einwegpaletten gelagert werden. Dies ist wichtig, damit die Abfälle auf den Deponien mit Gabelstaplern transportiert werden können.

Wo wird Asbest entsorgt und wie erfolgt der Transport?

Auch für die tatsächliche Entsorgung sowie den Transport bestehen spezielle Regeln. Asbestabfälle dürfen lediglich auf geeigneten Deponien für Sondermüll entsorgt werden.

  • Für den Transport müssen die Asbestabfälle mit einem speziellen Hinweisschild für Asbest gekennzeichnet sein.
  • Das Unternehmen, das den Transport vornimmt, muss über eine Transportgenehmigung verfügen.
  • Nach der Ablieferung der Asbestabfälle muss das Unternehmen sich von der Deponie einen Entsorgungsnachweis ausstellen lassen.

Wie teuer ist es, Asbest zu entsorgen?

Die Kosten für eine Asbest-Entsorgung hängen von mehreren Faktoren ab. Die folgende Aufstellung bietet erste Anhaltspunkte, welche Kosten auf Sie zukommen:

Für die Entsorgung eines Asbest-Daches müssen Sie eine Spezialfirma beauftragen. Hierdurch erhöhen sich die Kosten für Abriss und Entsorgung, weil es hier weniger Wettbewerb gibt. Zudem ist der Arbeitsaufwand beim Abriss eines Asbest-Daches höher als bei dem Abriss eines normalen Daches.

Handwerker entfernen Asbestplatten


Foto:

Maßnahmen zur Sicherung der Asbestabfälle: Hierbei geht es um die Kosten für Staub- und Faserbindemittel, Big-Bags oder Spezialcontainer beziehungsweise Zement oder Fässer, wenn es um die Entsorgung von nicht oder schwach gebundenem Asbest geht.

Da Sie für den Abtransport ein Spezialunternehmen beauftragen müssen, sind die Transportkosten ebenfalls höher als bei normalen Baustellen-Abfällen. Auch für die Entsorgung auf der Deponie fallen Kosten an, die sich nach der Menge und der Art des Asbests richten.

Für eine Dachfläche von 100 Quadratmeter müssen Bauherren allein für den Ausbau von Asbestplatten sowie deren Entsorgung mit rund 6.000 Euro rechnen.

Jetzt weiterlesen: So erkennen Sie Asbest im Dach.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten: