Janette Baumann

Deutschlands bekannteste Dächer: Hier lohnt sich der Blick nach oben

Sie müssen nicht in die Ferne schweifen, um beeindruckende und preisgekrönte Meisterwerke der Baukunst zu entdecken. Bei vielen berühmten Dächern in Deutschland lohnt sich ein Aufstieg oder auch nur der Blick Richtung Himmel. Wir erklären, was hinter den Dachkonstruktionen steckt.

1. Hamburger Elbphilharmonie: Eine Dachlandschaft schlägt hohe Wellen

In prominenter Lage an der Westspitze der Hafencity verbindet die Hamburger Elbphilharmonie atemberaubende Baukunst und Kultur. Das 26-geschossige Bauwerk setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Auf dem Sockel des achtstöckigen, backsteinernen Kaispeichers aus dem Jahre 1966 thront ein gläserner Aufbau mit wellenförmigem Dach.

Elbphilharmonie in der Speicherstadt von Hamburg
Elbphilharmonie in Hamburg mit Sonnenspiegelung
Seitenansicht Elbphilharmonie Hamburg
Elbphilharmonie von unten


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1.000 gebogene Fassadenelemente aus Glas verwandeln den Neubau in einen riesigen Kristall, der die Farben und Lichter des Himmels, des Wassers und der Stadt reflektiert. Mit seiner aufschwingenden Dachlandschaft ist das moderne Bauwerk der Basler Architekturikonen Herzog und de Meuron zum international bekannten Wahrzeichen Hamburgs geworden.

2. Kuppel des Reichstags: Begehbares Dach mit cleverem Lichtsystem

Nach dem Regierungsumzug im Jahr 1999 hat das Reichstagsgebäude in Berlin wieder eine Kuppel erhalten. Der Pritzker-Preisträger Sir Norman Foster lieferte den Entwurf für die Architektur des Daches, bei der sich rund 3.000 Quadratmeter Glasfläche über eine 800 Tonnen schwere Stahlkonstruktion wölben. Die 24 Millimeter dicken Glasscheiben liegen in Reihen schuppenartig übereinander.

Reichstagsgebäude und Fernsehturm in Berlin
Kuppel des Reichstagsgebäudes bei Nacht
Die Kuppel des Reichstagsgebäudes von innen
Seitenansicht des Reichtagsgebäudes in Berlin


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Zwei spiralförmige, gegenläufige Rampen verbinden die Dachterrasse mit einer 200 Quadratmeter großen Aussichtsplattform im oberen Teil. Von der Dachterrasse hebt sich die Kuppel 23,5 Meter in die Höhe und ist mit 40 Metern Durchmesser zentraler Bestandteil des Beleuchtungskonzepts. Ein sogenannter Konus lenkt das Tageslicht mit 360 Spiegeln in den 10 Meter tiefer gelegenen Plenarsaal.

3. Dom zu Speyer: Historische Kupferdächer mit Aussicht

Die Domkirche St. Maria und St. Stephan in Speyer bildete nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1061 den größten romanischen Kirchenbau und ist bis heute die bedeutendste Grablege des Mittelalters auf deutschem Grund. Die gewölbte Überdachung des 33 Meter hohen und 134 langen Mittelschiffs war in dieser Form und Dimension einmalig seit der Antike. Die Dachfläche entspricht in etwa der Größe eines Fußballfeldes.

Speyer Dom mit Blick über die Stadt
Kuppel des Speyer Dom mit Blick auf den Rhein
Dom zu Speyer mit historischem Kupferdach
Speyer Dom im romanischen Baustil


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Die gesamte Baumasse einschließlich der Fundamente würde für den Bau von gut 220 Einfamilienhäusern ausreichen. Mit Ausnahme der gotischen Sakristei wurde die einstige Schieferbedeckung der Dächer später durch Kupferplatten ersetzt. Auf dem Südwestturm des Doms befindet sich in rund 60 Metern Höhe eine Aussichtsplattform, die einen Rundblick über die Stadt und Rheinebene bietet.

4. Kölner Dom: Eiserner Dachstuhl krönt Riesen aus dem Mittelalter

In der Reihe der berühmtesten Dächer Deutschlands darf ein Meisterwerk der gotischen Baukunst nicht fehlen: Der Kölner Dom ist mit seinen beiden 157 Meter hohen Türmen das zweithöchste Kirchengebäude Europas und das dritthöchste der Welt. Offizieller Baubeginn war bereits im Jahr 1248. Allerdings zogen sich die Arbeiten wegen jahrelanger Baustopps und Neuplanungen solange hin, dass bei der Fertigstellung bereits eine neue Kunstepoche begonnen hatte. Mehr als 600 Jahre nach Beginn der ersten Bauphase wurde der Dom 1880 vollendet und war zur damaligen Zeit das höchste Gebäude der Welt.

Skyline von Köln mit den Kranhäusern und dem Kölner Dom
Kölner Dom bei Nacht
Kölner Dom von unten


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Im 19. Jahrhundert bekam der Dom einen neuen Dachstuhl, bei dem eine Metallkonstruktion die vorherige Holzvariante aus dem Mittelalter ersetzte. Gut 15 Meter hebt sich der eiserne Dachstuhl über das Gewölbe und überspannt eingedeckt mit Bleiplatten rund 12.000 Quadratmeter Dachfläche. Für einen geführten Aufstieg sollten Sie sich warm anziehen, denn der Wind im Glockenturm weht ziemlich eisig um die Ohren.

5. Münchener Olympiastadion: Eine Sportstätte als Architektur-Highlight

Das Olympiastadion in München wurde als Hauptort der Olympischen Sommerspiele 1972 weltweit bekannt und gilt heute als die deutsche Sportstätte, in der die meisten internationalen Sportturniere ausgetragen wurden. Ein architektonisches Highlight ist das Stadion wegen seiner markanten Zeltdachkonstruktion, die zur Zeit ihrer Errichtung als optische und statische Sensation galt.

Olympia Stadion in München von oben
Dachkonstruktion des Olympia Stadion in München
Dach des Olympia Stadion in München
Innenansicht des Olympia Stadion in München


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Die 74.800 Quadratmeter große Fassade aus lichtdurchlässigem Plexiglas hängt auf 58 Stahlmasten. Ursprünglich sollte die Konstruktion nach den Olympischen Spielen wieder abgebaut werden, doch das Echo der Weltpresse verhinderte eine Demontage. Den Bereich über dem Olympiastadion können Sie in den Sommermonaten bei geführten Roof-Top-Touren besichtigen.

6. Allianz-Arena München: 1.000 Luftkissen für eine leuchtende Fassade

Der Bau einer weiteren berühmten Sportstätte in München war anfangs umstritten, setzte sich schließlich aber bei einem Bürgerentscheid durch. Die Allianz-Arena zählt seit ihrer Eröffnung im Jahr 2005 auch für Architekturfans zu den Top-Sehenswürdigkeiten der Stadt. Für den futuristischen Entwurf war ebenfalls das Architekten-Duo Herzog und de Meuron verantwortlich.

Rot erleuchtete Alianz Arena in München
Detailansicht der Außenfassade der Alianz Arena
Nahaufnahme Alianz Arena
Alianz Arena von innen


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Unverkennbar ist das 50 Meter hohe und 200 Meter lange Stadion wegen seiner besonderen Fassade. Projektionen auf der glatten, rautenförmigen Hülle lassen die Spielstätte regelmäßig in bunten Farben erleuchten. Möglich wird die Illumination durch eine spezielle Membrankonstruktion mit mehr als 1.000 Luftkissen und Sonderleuchten.

7. Traditionelle Schieferdächer: Das historische Erbe im Alten Flecken

Der historische Stadtkern von Freudenberg bei Siegen, besser bekannt als „Alter Flecken“, ist ein besonders schönes Beispiel für traditionelle Dächer in Deutschland. In Reih und Glied ausgerichtet, zeigen die gut 50 Fachwerkhäuser eine einmalige Giebelparade. Ihre Dächer sind mit Schiefer eingedeckt.

Traditionelle Dächer: die Fachwerkhäuser des Alten Flecken in Freudenberg mit ihren Schieferdächern
Traditionelle Dächer: die Fachwerkhäuser des Alten Flecken in Freudenberg bei Tageslicht gesehen
Traditionelle Dächer: Blick von oben auf die Fachwerkhäuser des Alten Flecken in Freudenberg, beleuchtet in der Nacht


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Erst auf den zweiten Blick werden die feinen Unterschiede und Details der schwarz-weißen Bauten des Alten Flecken sichtbar. Das architektonische Erbe aus dem 17. Jahrhundert gilt heute als Baudenkmal von internationaler Bedeutung und ist ein Touristenmagnet in Nordrhein-Westfalen.

Sie suchen weitere Inspiration und Ausflugsziele für den nächsten Urlaub? Auch weltberühmte Dächer außerhalb Deutschlands bringen Sie garantiert zum Staunen.

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