Angelika Polle-Valder

Dachausbau und Dachaufbau: Baugrund ganz oben

Mit einem Dachausbau zusätzlichen Lebensraum gewinnen – davon träumen viele Hausbesitzer. Vom Kinder- und Gästezimmer bis hin zum Wellness- oder Hobbyraum lassen sich je nach Wunsch sämtliche Wohnideen realisieren. Ideal ist es, wenn die Raumhöhe unter einem Spitzgiebeldach über der Hälfte der Grundfläche 2,30 Meter misst und sich für Wohnzwecke eignet. Reicht die Höhe nicht aus, kann man das Dach anheben oder das Gebäude um eine Etage erweitern.

Dachausbau oder Dachaufstockung?

Wichtigster Punkt: Trägt die Statik des Gebäudes eine größere Last durch einen Dachausbau oder eine Aufstockung? Und: Welche Dimensionen haben die Sparren und Pfetten? Um den vorhandenen Aufbau genau zu untersuchen helfen bei älteren Wand- und Deckenkonstruktionen Probeöffnungen. Überprüfen Sie dabei auch die Installation: Lassen sich bestehende Leitungen und Anschlüsse ergänzen oder ist es sinnvoller, komplett zu modernisieren? Grundsätzlich gilt beim Dachausbau wie bei allen aufwendigen Bauprojekten: Einen Architekten oder Bauingenieur zu beauftragen, spart Zeit und Nerven. Dieser kümmert sich um die Formalitäten wie die Baugenehmigung oder die Zulässigkeit der nötigen Brand- und Schallschutzanforderungen.

Dachausbau und Dachaufbau


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Brauche ich eine Baugenehmigung?

Was erlaubt der Gesetzgeber? Ob überhaupt, wie und in welchem Umfang ein neues Geschoss auf ein bestehendes Gebäude aufgesetzt werden darf, regeln die örtlichen Baubestimmungen und, falls vorhanden, der Bebauungsplan. Dort steht auch die zulässige Anzahl der Geschosse, die maximale Wohnfläche, die Dachform und -neigung. Manche Gemeinden legen in örtlichen Gestaltungssatzungen verbindlich fest, wie groß Gauben oder Fenster sein dürfen. Existiert kein Bebauungsplan, gelten die umliegenden Nachbarhäuser als Maßstab. Mit einer Dachaufstockung verändern Sie die Optik Ihres Hauses, daher ist eine Baugenehmigung nötig.

Gutes Klima unterm Dach: Dämmung planen

Das Kürzel EnEV sollten Sie kennen: Egal, ob Aufbau oder Dachausbau, der neu geschaffene Wohnraum muss sorgfältig gedämmt werden. Die Bestimmungen der Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, schreiben bestimmte Dämmwerte unter dem Dach vor, um den Heizwärmebedarf, also die laufenden Kosten, zu senken.

Energieausweis


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So gewinnen Sie mehr Platz und Stehhöhe

Wie viel Platz unter dem geneigten Dach verfügbar ist, hängt unter anderem vom Kniestock ab. Als Kniestock bezeichnet man die an der Traufseite eines Hauses über die Rohdecke des Dachgeschosses hinaus gemauerte Außenwand, auf der die Dachkonstruktion aufliegt. Je höher ein Kniestock, desto mehr lichte Höhe hat das Dachgeschoss – also mehr vollwertige Quadratmeter. Um diesen Kniestock zu erhöhen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Ist das Dach in einem guten Zustand, kann der Dachdecker den Dachstuhl nach und nach abtragen, den Kniestock erweitern und den alten Dachstuhl wiederaufbauen.
  2. Eine andere Möglichkeit ist, das Dach hydraulisch anzuheben. Haben Sie ein Pfettendach? Dann lassen sich die Verbindungen des Daches an das darunter liegende Haus lösen. Vorab fangen hydraulische Stützen die Dachkonstruktion ab. Sind alle Verbindungen gekappt, heben Hydraulik-Pumpen das gesamte Dach gleichmäßig an und der Kniestock kann aufgemauert werden. Diese komplexen Verfahren führen qualifizierte und erfahrene Fachfirmen oft innerhalb von ein bis zwei Tagen aus. Im Anschluss kümmert sich der Schreiner oder Zimmerman um den weiteren Dachausbau.

Neue Etage auf dem Flachdach

Bei Flach- und Pultdächern besteht die Option, eine komplette neue Etage aufzusetzen. Häufig verwendet man dafür Fertigteilelemente in Holzrahmenbauweise. Diese halten Gewicht und Kosten niedrig, sind weitgehend vom Zimmerer vorgefertigt und schnell auf der Baustelle montiert. Die Dachaufstockung kann aber auch gemauert oder mit Stahl oder Glas ausgeführt werden. Dabei ergeben sich attraktive Gestaltungsmöglichkeiten wie ein komplett geschlossenes Stockwerk oder ein Vollgeschoss mit Dachterrasse.

Kein Geld verschenken: Fördermittel für Dachausbau und Aufstockungen

Im Rahmen diverser Programme bieten sowohl die KfW als auch das BAFA Fördermittel zum Dachausbau an. Für eine effiziente Sanierung gemäß EnEV gibt es Kredite und Zuschüsse, die Einzelmaßnahmen als auch den gesamten Dachausbau unterstützen. Details dazu finden Sie in unserem Artikel „Energetisch sanieren im Altbau: Diese KfW-Förderprogramme machen es möglich“.

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