Nicole Ziese

Dachbeschichtung: Sinnvolle Maßnahme für alternde Dächer?

Es hält Wind und Wetter vom Haus ab. Es bietet Schutz vor Kälte und Hitze. Und es ist ein architektonisches Gestaltungselement. Die Rede ist vom Dach eines Hauses. Während die Unterkonstruktion, der Dachstuhl, leicht ein Menschenleben lang in Takt bleibt, ist die Außenhaut mitunter früher sanierungsbedürftig. Die Dacheindeckung hält, je nach verwendetem Material und Wettereinflüssen, zwischen 20 und 80 Jahren.

Dachbeschichtung oder Neueindeckung?

Wenn Ihr Dach in die Jahre gekommen ist, stellt sich die Frage: Sollten Sie es neu eindecken oder ist eine Dachbeschichtung die bessere Wahl? Die Kosten einer Dachbeschichtung liegen bei nur 25 bis 50 Prozent einer Neueindeckung. Allerdings sehen viele Fachleute das Verfahren kritisch. Zunächst jedoch eine Erklärung, was eine Dachbeschichtung genau ist.

Dachbeschichtung: ein altes Dach mit dunklen Ziegeln voller Flechten


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So funktioniert eine Dachbeschichtung

Bei einer Dachbeschichtung erhält die Dacheindeckung eine Art Schutzfilm. Er soll die Funktions- und damit die Lebensdauer der Dacheindeckung verlängern, indem er das Material (wieder) versiegelt, sodass Wasser und Schmutz besser abgleiten. Es handelt sich bei den Beschichtungen meist um Acrylmischungen oder Polyurethane (Kunststoffe); oft spricht man bei Dachbeschichtungen auch von Sprühcoatings.

Die Dachbeschichtung hat auch einen ästhetischen Aspekt, denn durch die Beschichtung sieht das Dach wieder wie neu aus. Die gesamten Arbeiten nehmen in den meisten Fällen rund drei Tage in Anspruch. Die Dachbeschichtung erfolgt in diesen Arbeitsschritten:

1. Reinigung des Daches

Im ersten Schritt reinigt ein Fachbetrieb das Dach. Hierzu verwenden die Experten meist einen speziellen Hochdruckreiniger. Neben der Dachfläche an sich reinigen sie die Unterkanten des Daches sowie die Dachrinnen. Auf diese Weise befreit man das Dach von Moos, Algen und anderen Verschmutzungen.

2. Sichtprüfung des Daches

Nun untersuchen die Fachexperten das Dach im Zuge einer Sichtprüfung auf defekte Ziegel, die ersetzt werden müssen. Dies ist häufig bereits die zweite Sichtprüfung, da eine erste vor der Reinigung erfolgen sollte.

3. Vorbereitungsarbeiten

Vor der Beschichtung des Daches klebt man solche Bereiche ab, die nicht beschichtet werden. Hierzu zählen der Kamin, Dachfenster und Gauben.

4. Grundierung des Daches

Im nächsten Schritt tragen die Fachleute eine Grundierung auf die Dachfläche auf. Sie dient dazu, dass die Beschichtung besser hält.

5. Beschichtung des Daches

Der letzte Schritt ist das Auftragen der Beschichtung. Hier sind unterschiedlichen Farben wählbar, sodass Ihr Haus, wenn gewünscht, einen neuen Look erhält.

Dachbeschichtung: im Vordergrund ein Dach mit Moosbewuchs, im Hintergrund ein gereinigtes Dach


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Was gegen eine Dachbeschichtung spricht

Eine Dachbeschichtung ist kostengünstiger und weniger zeitaufwendig als eine Neueindeckung. Die Kosten für eine Dachbeschichtung belaufen sich je nach Anbieter auf rund 4.000 Euro für ein 150 Quadratmeter großes Dach. Trotzdem gibt es berechtigte Kritikpunkte an dem Verfahren beziehungsweise Fälle, in denen eine Dachbeschichtung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist:

Zeitpunkt schwer zu bestimmen

Es ist schwierig, den optimalen Zeitpunkt für eine Dachbeschichtung zu bestimmen. Oft ist es zu spät für eine Dachbeschichtung, wenn die Struktur der Ziegel bereits angegriffen ist. Andererseits darf die Beschichtung nicht zu früh erfolgen. Bei jungen Ziegeln würde die Reinigung den Schwefelanteil in ihnen lösen, der dann in die Umwelt gelangt.

Sollte die Dacheindeckung bereits so angegriffen sein, dass Wasser in die Dachkonstruktion eindringt, kommen Hausbesitzer nicht um eine Dachsanierung herum. Sie müssen dann auch die hölzerne Unterkonstruktion erneuern und gegebenenfalls Ausbesserungen am Dachstuhl vornehmen.

Nicht-zertifiziertes Verfahren

Bei der Dachbeschichtung handelt es sich um kein zertifiziertes Verfahren. Daher ist nur schwer ersichtlich, ob ein Anbieter die notwendigen Qualifikationen mitbringt. Bei unsachgemäßer Ausführung der Dachbeschichtung drohen gravierende Schäden am Dach:

  • Durch die Begehung sowie die Reinigung können Schäden an den Dachziegeln entstehen, die zu Undichtigkeiten führen.
  • Durch eine minderwertige Beschichtung verlieren die Dachziegeln ihre Eigenschaft, Feuchtigkeit aus dem Dachinneren nach außen zu transportieren. Hierdurch sammelt sich Feuchtigkeit im Dach, was die Unterkonstruktion dauerhaft schädigt.

Mangelnde Wirtschaftlichkeit

Eine Dachbeschichtung ist deutlich günstiger als eine Neueindeckung des Daches. Allerdings ist der Effekt der Dachbeschichtung mit rund zehn Jahren deutlich geringer als die Lebensdauer einer Neueindeckung. Sie beträgt, wiederum je nach verwendetem Material, zwischen 20 und 80 Jahren.

Dachbeschichtung: Dieses Haus wird mit neuen dunklen Ziegeln eingedeckt


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Verfahren nicht universell einsetzbar

Bei einer vorhandenen Eindeckung mit Betonziegel oder Faserzementplatten ist eine Beschichtung oft problemlos möglich. Anders sieht dies bei Tonziegeln aus. Diese dürfen Sie nur dann beschichten lassen, wenn sie keine Abplatzungen aufweisen.

Nicht beschichten lässt sich ein Schieferdach – auf dem ölhaltigen Material würde die Beschichtung schlicht nicht halten. Auf keinen Fall darf eine Beschichtung bei asbesthaltigen Dächern durchgeführt werden. Bei der Dachreinigung würden sich Asbestteile lösen und zu einer massiven Gesundheitsgefahr werden. Asbestfasern sind krebserregend.

Mögliche Mehrkosten und Folgeschäden

Im Zuge der Dachbeschichtung können sich Folgeschäden ergeben. Durch die intensive und teilweise aggressive Reinigung der Dachfläche können Schadstellen und Poren in der Eindeckung zu Tage treten. Eine fachgerechte Versiegelung ist dann nicht mehr durchführbar.

Nach der Versiegelung Ihrer Dachfläche ist der Austausch von einzelnen Dachziegeln nur noch bedingt möglich. Zum einen kann es Ihnen passieren, dass die Farbe der Beschichtung nicht im Sortiment des Ziegelherstellers zu finden ist, zum anderen haftet die Eindeckung durch die Versiegelung aneinander. Folgeschäden und Mehrkosten sind das Resultat.

Zusammenfassung: Pro und Contra einer Dachbeschichtung

Vorteile einer DachbeschichtungNachteile einer Dachbeschichtung
• Geringer Zeitaufwand
• Niedriger Preis
• Schöne Optik, große Farbenvielfalt
• Geringe Lebensdauer (circa zehn Jahre)
• Risikobehaftetes Verfahren
• Nicht universell einsetzbar
• Folgeschäden möglich
• Gegebenenfalls Mehrkosten

Wer sein Dach kostengünstig aufarbeiten lassen möchte, vor allem optisch, kann sich mit einer Dachbeschichtung behelfen. Hausbesitzer sollten jedoch darauf achten, dass eine Dachbeschichtung auf Dauer nicht günstiger ist als eine Neueindeckung. Zudem ist es wichtig, bei der Auswahl des Anbieters auf Qualität und nicht nur auf den Preis zu achten. Da das Verfahren nicht lizenziert ist, holen Sie am besten Referenzen ein. Bei unsachgemäßer Durchführung kommen Folgekosten auf Sie zu.

Schonendere Dachreinigung vom Dachdecker

Eine Dachreinigung können Sie auch bei Ihrem ortsansässigen Dachdeckerbetrieb anfragen, idealerweise in Verbindung mit einem Wartungsvertrag für Ihr Dach. Die Reinigung erfolgt meist schonender, der Vorher-Nachher-Effekt fällt allerdings kleiner aus.

Vieles kann eine Dachbeschichtung nicht leisten. Um das Ersetzen kaputter Ziegel kommen Sie nicht herum. Und sie trägt nicht zur Wärmedämmung des Daches bei. Womöglich steht daher für Ihr Dach ein größeres Projekt an: eine energetische Sanierung.

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