Angelika Polle-Valder

Durch einen Dachausbau neuen Wohnraum schaffen

Ein Gästezimmer, ein Homeoffice, mehr Platz für die Kinder? Bevor Sie mit dem Dachausbau beginnen, stellt sich die Frage, wie Sie den Raum künftig nutzen möchten. Steht das Nutzungskonzept, kann die detaillierte Planung beginnen. Dabei geht es um den gewünschten Lichteinfall, einen guten Wärmeschutz und die perfekte Raumaufteilung.

Statik checken und Ausbau genehmigen lassen

Der erste Schritt führt zur Baubehörde, um in Erfahrung zu bringen, ob der Ausbau genehmigungspflichtig ist. Ein Architekt oder Bauingenieur sollte die Statik des bestehenden Hauses überprüfen und klären: Eignet sich die Bausubstanz überhaupt für einen Dachausbau? Am besten lassen sich Sattel- und Mansardendächer mit einem Neigungswinkel größer als 35 Grad ausbauen. Die Raumhöhe sollte mindestens 2,30 Meter betragen, besser sind 2,50 Meter, um den Platz als Wohnraum nutzen zu können.

Darüber hinaus gelten die Vorgaben zur Energieeinsparverordnung (EnEV), außerdem müssen sämtliche verwendete Materialien den Brandschutzvorschriften aus der Landesbauordnung entsprechen. Inzwischen haben übrigens viele Gemeinden eigene Beratungsstellen für Bauherren eingerichtet und stellen Bebauungspläne online zur Einsicht.

Ein Dachboden wird ausgebaut


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Dämmung sorgt für Wohlfühlklima

Das Wichtigste beim Dachausbau ist die Dämmung: So bleibt es nicht nur im Winter wohlig warm, sondern auch im Sommer angenehm kühl. Um das Dach nachträglich zu dämmen, bieten sich zwei klassische Verfahren an:

  1. Muss das Dach neu eingedeckt werden, lässt sich eine Aufsparrendämmung umsetzen. Dabei wird das Dämmmaterial von außen über den Sparren verlegt, während der Innenraum unberührt bleibt. Der Dämmstoff umhüllt das Dach fast wie eine Decke, die Dachbalken bleiben von innen sichtbar. Diese Arbeit sollte ein Profi verrichten.

  2. Ist das Dach noch intakt, bieten sich Unter- beziehungsweise Zwischensparrendämmungen an. Hierbei schneidet man die Dämmstoffplatten passgenau zu und klemmt sie in die Zwischenräume der Sparren. Sind die Zwischenräume nicht tief genug, um die gewünschte Dämmdicke zu erzielen, lässt sich der Wärmeschutz durch eine zusätzliche Dämmschicht unter den Sparren optimieren. Nachteil: Bei der Zwischensparrendämmung ist an den Übergängen zu den Sparren die Gefahr von Kältebrücken groß. Außerdem kostet es wertvollen Platz, die Untersparrendämmung auf der Raumseite anzubringen. Und: Die Sparren sind dann nicht mehr sichtbar, so geht das rustikale Flair des Dachbodens verloren.

  3. Die dritte Möglichkeit besteht darin, beide Varianten miteinander zu kombinieren. Je nachdem, welche KfW-Förderung Sie in Anspruch nehmen möchten, ist dies sogar notwendig. Ein Rechenbeispiel: Gegenüber einer in den 1970er-Jahren üblichen Dämmschichtdicke von vielleicht 60 Millimetern zwischen den Sparren verbessert eine Kombination aus Zwischen- und Aufsparrendämmung den U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) von 0,73 auf 0,19 W/(m²K). Das spart pro Jahr rund 5,4 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche ein.

Ein Dachboden mitten im Umbau


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Beim Dachausbau den Schallschutz nicht vergessen

In Sachen Dämmung kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Ohne ausreichende Trittschalldämmung ist jeder Schritt im Dachgeschoss auch darunter zu hören. Planen Sie zwischen dem neuen Geschoss und den darunter liegenden Wohnräumen unbedingt eine weitere Dämmschicht ein.

Licht und Luft im Dachgeschoss

Tageslicht ist für das Wohlbefinden unabdingbar, dafür sorgen Dachfenster oder Gauben. Fensterflächen sollten 20 bis 30 Prozent der Raumfläche entsprechen. Vergessen Sie aber nicht, Sonnenschutz oder passende Verdunkelungsmöglichkeiten für Ihre neuen Dachfenster einzuplanen. Dachgauben schaffen mehr Wohnraumvolumen und verändern das Erscheinungsbild des gesamten Gebäudes, dafür ist aber in den meisten Fällen eine Baugenehmigung nötig.

Ein Bett steht auf einem hellen Dachboden vor Dachfenstern


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Trockenbau: Wohnraum nach Wunsch

Für den eigentlichen Ausbau haben sich durchdachte Trockenbausysteme auf Basis von Gipsfaser-Platten und Metall- oder Holzprofilen als Ständerwerk bewährt. Sogar Nassräume lassen sich mit speziellen Trockenbauplatten realisieren.

Kosten kalkulieren und Zuschüsse sichern

Erkundigen Sie sich vor Projektbeginn unbedingt nach Fördermöglichkeiten. Die unterschiedlichen Förderprogramme der KfW, des BAFA sowie der Städte und Gemeinden für eine effiziente EnEV-gerechte Sanierung machen den Ausbau besonders attraktiv. Günstiger kommt man kaum an neuen Wohnraum. Details zu relevanten Förderprogrammen finden Sie auch in unserem Artikel „Dachsanierung: Fördermöglichkeiten für Ihr neues Dach“.

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