Nicole Ziese

Dachdämmung im Altbau – Herausforderung für Bauherren


Früher diente das Dachgeschoss häufig nur dazu, Wind, Regen und Schnee so gut wie möglich vom Hauskern fernzuhalten. Der Raum unter dem Dach wurde genutzt, um Wäsche aufzuhängen oder wetterunempfindliche Gegenstände zu lagern. Es gab weder Vorschriften, die eine Dämmung erforderlich machten, noch ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Doch steigende Energiekosten, mehr Sinn für Ressourcenverbrauch und die erhöhte Nachfrage nach Wohnraum ließen eine hochwertige Dachdämmung im Altbau immer wichtiger werden. Zum Teil ist sie bereits Pflicht. Allerdings stellt das Dämmen eines Altbaudaches eine Herausforderung dar.

Die Vorarbeiten: Dachzustand überprüfen lassen

Vor Beginn der Dämmung des Altbaudaches sollten Sie es komplett vom Fachmann überprüfen zu lassen. Gerade in sehr alten Häusern gibt es viele Probleme, die Sie über kurz oder lang beseitigen müssen. Sollte Ihr Dach entsprechende Schwächen aufweisen, ist es sinnvoll, sie direkt zusammen mit der Dämmung zu beheben.

Die Überprüfung des Altbaudaches sollte insbesondere folgende Aspekte umfassen:
 
  • Dichtheit der Dacheindeckung
  • Je nach Baujahr: Schadstoffbelastung (beispielsweise Eindeckung mit asbesthaltigen Materialien)
  • Zustand des Dachstuhls inklusive Sparren
  • Überprüfung einer gegebenenfalls vorhandenen Dämmschicht und Dampfsperre
  • Prüfung, ob eine Unterspannbahn vorhanden ist
  • Falls eine Nutzung des Dachgeschosses zu Wohnzwecken geplant ist: die Klärung baurechtlicher Fragen

Auf- oder Zwischensparrendämmung?

Vom Ergebnis der Begutachtung hängt ab, welches Verfahren für Sie infrage kommt: Ist die Dacheindeckung nicht mehr intakt oder fehlt die Unterspannbahn, müssen Sie wohl oder übel eine komplette Neueindeckung des Daches vornehmen. Da in diesem Fall ohnehin aufwendige Dacharbeiten von außen erforderlich sind, können Sie eine Aufsparrendämmung wählen.

Ist Ihre Dacheindeckung noch intakt oder minimal reparaturbedürftig und ist eine Unterspannbahn vorhanden, so ist die Zwischensparrendämmung das Verfahren der Wahl. Hierbei sind keine Arbeiten von außen erforderlich. Sie können alle Arbeitsschritte von innen durchführen.

Abhängig von der gewünschten Wohnqualität kommt auch eine Kombination von Auf- und Zwischensparrendämmung in Frage. Sollten Sie eine Förderung, zum Beispiel über die KfW, anstreben, ist diese Lösung unter Umständen sogar nötig, um die geforderten Dämmwerte zu erreichen. 

Allerdings beginnen bei der Dachdämmung im Altbau oft erst an dieser Stelle die Probleme. Aufgrund der früher geltenden Bauvorschriften und aus Kostengründen finden sich insbesondere folgende bauliche Besonderheiten im Dachstuhl eines Altbaus:
 
  • Fehlende Unterspannbahn unter der Dacheindeckung
  • Unregelmäßig geformte oder sehr schmale Dachsparren
  • Unregelmäßige Abstände zwischen den Dachsparren
  • Falls Dämmung vorhanden: fehlende oder defekte Dampfsperre 
Dachdämmung eines Altbaudaches


Foto:

Vier technische Probleme bei Altbaudächern

Die bautechnischen Besonderheiten von Altbaudächern machen die Dachdämmung problematischer als bei modernen Häusern. Allerdings gibt es für jedes der üblichen Probleme eine bautechnische Lösung. Die Umsetzung ist in allen Fällen handwerklich recht anspruchsvoll, sodass sie in die Hände von Fachleuten gehört. Fehler bei der Dämmung können schwerwiegende Schäden am Haus nach sich ziehen.

1. Fehlende Unterspannbahn
Fehlt in einem Altbau eine Unterspannbahn unter der Dachdeckung, so haben Sie die Wahl zwischen zwei Lösungen:
  • Nachträgliches Anbringen der Unterspannbahn: Hierbei handelt es sich aus energietechnischer Sicht um den Königsweg. Allerdings kann das Anbringen der Unterspannbahn nur von außen und nach dem kompletten Abdecken des Daches erfolgen.
  • Hohlraum zwischen Dachhaut und Dämmung: Hierbei kommen Abstandhalter zum Einsatz, sodass die Dämmung durchgehend einen gewissen Abstand zu der Dacheindeckung hat. Auf diese Weise kann eindringende Feuchtigkeit entweichen. Diese Arbeiten werden von innen durchgeführt. Von dieser Lösung möchten wir Ihnen allerdings abraten.

2. Unregelmäßig geformte oder sehr schmale Dachsparren
Dachsparren in Altbauhäusern sind oft unterschiedlich breit oder hoch, manchmal sogar rund. Das hat mehrere Gründe: Zum Beispiel gab es keine baurechtlichen Vorschriften, die konkrete Abmessungen von Sparren vorgaben. Andere Gründe: Aus statischen Gesichtspunkten entschieden sich die Bauleute für sehr schmale und leichte Dachsparren. Oder Bauherren verbauten, was vorhanden war – zum Teil auch weitgehend naturbelassene Baumstämme aus dem Wald.

Lösen lässt sich dieses Problem, indem man Dachsparren aufdoppelt und somit eine gleichbleibende Sparrenhöhe erreicht. Auf diese Weise vergrößert sich zudem der Platz für das Dämmmaterial, sodass sich eine dickere Dämmschicht verbauen lässt. Ist ein Aufdoppeln aufgrund der Form der Dachsparren nicht möglich, bietet sich ein anderer bautechnischer Ansatz an: Fachleute bringen links und rechts von jedem Sparren Bretter an, um ein ausgeglichenes Niveau zu erreichen.
 
3. Unregelmäßige Abstände zwischen den Dachsparren
In diesem Fall greift der Experte statt auf standardisierte Dämmmaterialien auf leicht anpassbare Alternativen zurück. Den Dämmstoff schneidet er auf die jeweils passende Breite zu. So kann man selbst dann eine Zwischensparrendämmung anbringen, wenn die Sparren nicht ganz parallel verlaufen.
 
4. Fehlerhafte Dampfsperre
Falls bereits eine Zwischensparrendämmung vorhanden ist, kann sowohl die Dämmung als auch die Dampfsperre im schlechten und sanierungswürdigen Zustand sein. In diesem Fall sind ein Austausch der alten Dämmung und eine neue Dampfsperre erforderlich. Diese Arbeiten sind von innen ausführbar. Um Folgeschäden zu vermeiden, muss die neue Dampfsperre zwingend dicht sein.

Dachsanierung im Altbau – das Wichtigste im Überblick:

  1. Prüfung des Daches durch einen Fachmann (Statik, Dichtheit, et cetera)
  2. Entscheidung für komplette Dachsanierung oder einfache Dämmung
  3. Lösung bautechnischer Mängel im Innenbereich
  4. Anbringen der Dämmung

Wichtig: Auch wenn Sie nun wissen, wie eine Dämmung im Altbau funktioniert, ist dies eine Arbeit für einen Fachbetrieb. Mehr zum Thema Dämmung lesen Sie auch auch in unserem Artikel „Dachdämmung: Varianten, Kosten, Zuschüsse“.








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