Angelika Polle-Valder

Dachentwässerung: Das passende System für Ihr Steildach

Kein Hausbesitzer freut sich über unkontrollierte Sturzbäche, wenn es regnet. Wasserschäden im Außenbereich wie auch im Inneren des Hauses braucht auch niemand. Und bei einer schlechten Dachentwässerung droht Algen- und Pilzbefall an der Hausfassade. Kurzum: Unterschätzen Sie nicht die Funktion von Dachrinne, Fallrohr und Co. für Ihr Dach.

Dachentwässerung beim Steildach

Beim Steildach befinden sich Regenrinnen und Fallrohre meist im Freien. Die Dachentwässerung besteht aus einer oder mehreren Dachrinnen, die das anfallende Niederschlagswasser auffangen und an ein Regenfallrohr weiterleiten. Für Flachdächer werden hingegen häufig innenliegende Dachentwässerungssysteme installiert.

Dachentwässerung: roten Ziegeln und eine Dachrinne, in die Regenwasser fließt


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Konstruktion: verschiedene Dachrinnen-Typen und -Formen

Dachrinnen lassen sich je nach Dachkonstruktion unterschiedlich montieren: als sogenannte Ortgangrinne am seitlichen Rand des Daches, als Hängerinne, die vor der Traufe angebracht wird oder als aufliegende, in die Dachfläche integrierte Rinne.

Für das Steildach gibt es Dachrinnen in unterschiedlichen Formen: In Deutschland sieht man meist halbrunde Rinnen, es gibt aber auch kastenförmige Produkte sowie keilförmige Rinnen mit dreieckiger Form. Die passenden Fallrohre sind rund oder quadratisch geformt und geschlossen.

Dachentwässerung: schematische Darstellung verschiedener Arten von Dachrinnen


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Kunststoff oder Metall? Das Material für die Regenrinne

Beim Material, aus dem Fallrohr und Dachrinne bestehen, lässt sich zwischen Kunststoff und Metall unterscheiden. Sollen Dachrinne und Fallrohr besonders langlebig sein, ist Metall die erste Wahl.

Kunststoff

Die günstigste Variante stellen Dachrinnen aus Kunststoff dar. Sie lassen sich mittels Steckverbindungen leicht montieren, haben jedoch den Nachteil, dass sie durch Sonneneinstrahlung mit den Jahren spröde und porös werden. Für ein Gartenhäuschen oder eine Garage eignet sich Kunststoff gut. Bei Zwei- oder Mehrfamilienhäusern oder in Lagen mit witterungstechnisch starker Beanspruchung stößt das Material dagegen schnell an die Belastungsgrenzen.

Titanzink

Dachrinnen aus Titanzink trotzen Korrosion und sind nahezu unverwüstlich. Das Material ist belastbar, dehnt sich bei Hitze nur wenig aus und lässt sich gut bearbeiten. Letzteres erleichtert vor allem die Montage. Titanzink gilt unter Fachleuten als Einmal-Investition – denn die Dachrinnen halten mindestens 15 Jahre.

Dachentwässerung: eine Dachrinne aus weißem Kunststoff
Dachentwässerung: ein Haus mit Aluminiumdachrinne
Dachentwässerung: eine Dachrinne aus Kupfer
Dachentwässerung: ein eckiges Fallrohr


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Kupfer

Kupfer-Dachrinnen halten ebenfalls lange, rosten nicht und sehen klassisch aus. Allerdings kosten sie etwa doppelt so viel wie Titanzinkelemente. Typisch für Kupfer ist die Bildung einer grün- oder gräulich schimmernden Patina.

Edelstahl

Noch wenig verbreitet sind Dachrinnen aus Edelstahl, obwohl das Material mit einigen Vorteilen punktet: Auch bei extremen Temperaturen bleibt Edelstahl in der Form, ist widerstandsfähig und belastbar. Nachteile: aufwendige Montage und hoher Preis.

Aluminium

Aluminiumrinnen halten lange, sind wartungsarm und rosten nicht. Farbbeschichtungen ermöglichen es, die Optik der Rohre an das Gebäude anzupassen. Aluminium lässt sich im Gegensatz zu anderen Metallen nicht löten, deswegen nietet man diese Rinnen und dichtet sie mit einem speziellen Silikon ab. Diese Fugen müssen Sie jedoch regelmäßig warten lassen, da ansonsten Undichtigkeiten entstehen.

Dachentwässerung: eine verschmutzte Dachrinne voller Laub und Dreck


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Die richtige Dimension Ihrer Dachentwässerung berechnen

Damit das Wasser zügig abläuft, sich nicht staut oder gar unkontrolliert aus der Dachrinne schießt, müssen Sie die Abführung des Regenwassers exakt berechnen lassen. Nach DIN EN 12056-3 ermittelt der Dachdecker-Fachbetrieb die Größe anhand der Grundfläche des Daches und der örtlichen Regenspende. Letztere ist ein statistisch erfasster Wert für die Menge Regenwasser, die maximal in einer Sekunde auf einen Quadratmeter an einem Ort auftrifft.

Das passende Zubehör für die Dachentwässerung

In der Regel befestigt man die Dachrinnen mit einem Gefälle von 0,5 bis 2 Prozent entlang der Traufkante mit speziell geformten Dachrinnenhaltern. Bei längeren Rinnen aus Metall sind Dehnungsvorrichtungen in Form von Rinnenüberlappungen, Zwischenstücken oder Dilatationsblechen (Dehnungselemente) einzubauen.

Der Anschluss der Rinne an das Regenfallrohr erfolgt mit dem sogenannten Rinnenkessel oder geformten Ablaufstutzen. Außerdem braucht man, je nach Dachentwässerungssystem, noch Abschlüsse sowie Abzweige- und Rundelemente.

Um Ihr Dach gegen Schädlinge wie Marder, Waschbär und Co. zu schützen, gibt es beispielsweise Marderabwehrgürtel und Marderbürste (siehe Bildergalerie).

Dachentwässerung: ein Mann bringt ein Laubgitter in einer Regenrinne an
Dachentwässerung: eine Marderbürste liegt in einer Dachrinne
Dachentwässerung: ein Rinnenkessel aus Kupfer mit grüner Patina


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Damit im Herbst das Laub nicht in der Dachrinne verrottet oder gar das Fallrohr verstopft, bieten sich Laubgitter an. Je nach Material der Dachrinne gibt es verschiedene Systeme im Handel. Diese ersetzen aber keine Wartung: Nur ein Teil des Laubs bläst der Wind ab, der Rest muss nach wie vor per Hand entfernt werden.

Wasser gezielt ableiten: Stichwort Regentonne

Und wohin soll das Wasser fließen? Zum einen kann es in die Kanalisation ablaufen. Oder Sie sammeln es in einer Regentonne und nutzen es für den Garten – die ideale Lösung für umweltbewusste Hausbesitzer. Für eine Wiederverwendung des Wassers gibt es passende Elemente für Ihre Entwässerungssysteme. Lassen Sie sich von Ihrem Fachbetrieb beraten.

Jetzt weiterlesen: Eine Dachreinigung und Dachbeschichtung - sinnvolle Maßnahme?

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