Angelika Polle-Valder

Der Dachstuhl von A bis Z: Balken, die die Welt bedeuten

Der Dachstuhl muss so konstruiert sein, dass er einiges trägt: sich selbst, die Dacheindeckung sowie Schnee- und Windlast. Soll der Raum unter dem Dach bewohnbar sein, kommen noch Wärmedämmung und Schalung hinzu. Profis sprechen von Abbund und meinen damit eine hölzerne Dachkonstruktion auf dem letzten Geschoss eines Gebäudes.

Die Balken im Dachstuhl: Was sind Pfetten und Sparren?

Die Sparren sind jene Balken im Dachstuhl, die von unten nach oben verlaufen, genauer gesagt von der Traufe zum Dachfirst. Sie geben dem Steildach seine charakteristische Schrägform. Die Sparren stützen sich gegenseitig und bilden ein stabiles Dreieck. Es gibt aber auch Dächer, in denen Längsbalken eingezogen sind. Die sogenannten Pfetten verlaufen parallel zur Traufe und zum Dachfirst und dienen als waagerechte Träger der Sparren. Nach der Position im Dachstuhl unterscheidet man Firstpfette, Mittelpfette und Fußpfette.

Der Dachstuhl: Ein Dachstuhl in Form eines Sparrendachs wird gebaut


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Der Dachstuhl: drei grundlegende Konstruktionsweisen

Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen: Manche Dachgeschosse sind frei von störenden Balken und Stützen, andere haben Querstreben und Tragebalken. Hier unterscheiden sich die drei geläufigsten Prinzipien, nach denen man hölzerne Dachstühle konstruiert.

1. Das Sparrendach

Bei einem Sparrendach leiten allein die Sparren die einwirkenden Kräfte und Lasten auf die Außenmauern des Gebäudes weiter. Keine Stütze stört den Dachraum. Der Abstand der einzelnen Rahmen kann zwischen 60 und 80 Zentimetern liegen und sollte nicht größer als 90 Zentimeter sein.

Der Dachstuhl: ein Sparrendach wird gebaut


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Sogenannte Windrispen, diagonale Bretter oder Metallbänder, verbinden die einzelnen Gespänne und verhindern ein Kippen der Konstruktion. Ein einfacher Sparrendachstuhl ist beispielsweise als Satteldach denkbar. Auf den Sparren befestigt der Zimmermann die Dachlattung, die dann die Eindeckung (Dachziegel und Co.) trägt. Größere Dachfenster oder Gauben lassen sich nicht ohne weiteres in ein Sparrendach einbauen, da die Sparren nicht unterbrochen werden dürfen. Hier sind dann zusätzliche Konstruktionen, im Falle von Dachfenstern der sogenannte Wechsel, von Nöten, um die Sparren abzustützen. Der Lastabtrag erfolgt dann über die benachbarten Sparren.

Der Dachstuhl: ein neuer Dachstuhl inklusive Wechseln für Dachfenster


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2. Das Pfettendach

Bei einem Pfettendach stützen sich die Sparren nicht gegenseitig, sondern liegen auf den Längsbalken, den Pfetten. Vorteil: Im Pfettendach lassen sich auch größere Gauben unkomplizierter einbauen.

Ein Pfettendach lässt sich, im Gegensatz zum Sparrendach, über jedem Grundriss errichten. Man verwendet diese Form des Dachstuhls häufig bei Walmdächern oder bei sehr hohen Satteldächern. Dachüberstände sind beim Pfettendach problemlos ohne zusätzliche Konstruktionen möglich.

Ein Pfettendach, das die Dachform Satteldach bilden soll, hat beispielsweise eine Firstpfette, zwei Mittelpfetten und zwei Fußpfetten. Mittel- und Firstpfetten stützen das Dach zusätzlich, wobei sie nicht frei schweben, sondern ihrerseits von senkrechten Stützen gehalten werden. Diese heißen Ständer oder Stiele und stehen meist auf einer Innenwand oder, wenn es statisch zulässig ist, auf der Geschossdecke.

Der Dachstuhl: ein Pfettendach mit stehendem Stuhl


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3. Das Kehlbalkendach

Sind die Sparren beim Sparrendach länger als 4,50 Meter, so muss jedes Sparrenpaar durch einen waagerecht verlaufenden Kehlbalken ausgesteift werden. Der Unterschied: Waagerechte Balken stützen unterhalb des Dachfirstes die schrägen Sparren zusätzlich gegeneinander ab. Meist bildet die Kehlbalkenlage gleichzeitig die Innenkonstruktion der Zwischendecke zwischen den ausgebauten Räumen im Dachgeschoss und einem Spitzboden, der darüber liegt.

Durch das Einziehen von Querbalken, den Kehlbalken, kann ein Sparrendach breiter werden. Die Dachgiebel an den Stirnseiten zwischen den geneigten Dachflächen werden entweder vorgemauert oder nachträglich zwischen die Diagonalbalken gemauert.

Der Dachstuhl: ein Dachboden mit Kehlbalken
Der Dachstuhl: ein ausgebauter Dachboden mit heller Verkleidung und dunkelbraunen Kehlbalken


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Was ist ein stehender Stuhl?

Ein stehender Stuhl ist eine Teilkonstruktion in der Dachkonstruktion. Sie stützt die Dachsparren oder die Kehlbalken und dient der Aussteifung des Daches (siehe oben beim Bild zum Pfettendach). Pfettendächer haben mindestens einen stehenden Stuhl, und zwar in der Mitte unterhalb der Firstpfette. Ein stehender Stuhl enthält lotrechte Pfosten, die Stuhlsäulen. Sind diese auf einer Linie unterhalb der Firstpfette aufgereiht, handelt es sich um einen einfach stehenden Stuhl. Den Standard stellt jedoch der zweifach stehende Stuhl dar, die zweireihige Aufstellung.

Hat ein Dach zwei Mittelpfetten und eine Firstpfette, spricht der Zimmermann etwa vom dreifach stehenden Stuhl: Der Dachstuhl wird dreifach gestützt. Solche Träger muss man alle 4,50 Meter aufstellen, damit die Holzbalken nicht durchhängen.

Und was ist ein liegender Stuhl?

Während ein stehender Dachstuhl eine aufrecht stehende Stütze bezeichnet, ist der liegende Dachstuhl lediglich schräg angebracht. Die Stuhlsäulen sind dabei schräg zwischen den unteren Sparrenbereichen angebracht. Der liegende Stuhl ist bei einer offenen, stützenfreien Bauweise im Geschoss unterhalb der Balkenlage gefragt.

Der Dachstuhl: ein Dachstuhl mit liegendem Stuhl


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Das Holz für den Dachstuhl

Wohngebäude tragen meistens einen Dachstuhl aus Vollholz der Güteklasse II, es besitzt „gewöhnliche Tragfähigkeit“. Der Feuchtegehalt liegt bei 18 Prozent, und es gibt Standard-Querschnitte. Möchten Sie die Dachbalken später sehen, lassen Sie den Dachstuhl aus Konstruktionsvollholz (KVH) für den sichtbaren Bereich bauen. Werden die Dachschrägen verkleidet, reicht „KVH-NSI“ für den nicht sichtbaren Bereich.

Wann feiert man das Richtfest?

Sobald der Dachstuhl fertig steht – also das künftige Gebäude seine Form und Höhe hat – feiert man das traditionelle Richtfest. Seit dem 14. Jahrhundert markiert dieses Fest einen wichtigen Baufortschritt und stärkt gleichzeitig den Kontakt zwischen allen am Bau Beteiligten. Dabei bedankt sich der Bauherr bei allen Handwerkern und Helfern des Rohbaus und spendiert Essen und Getränke. Das Wichtigste dabei ist der mit bunten Bändern geschmückte Richtkranz. Der Zimmermann befestigt ihn am Dachstuhl.

Der Dachstuhl: Die Balken eines Dachstuhls mit Richtkranz beim Richtfest


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In manchen Regionen ist statt des Kranzes ein Bäumchen üblich. Richtkranz, Krone oder Richtbäumchen sollen dem Volksglauben nach das Haus vor Schäden schützen und seinen Eigentümern ein glückliches Leben bescheren.

Danach hält der Zimmermann noch einen Richtspruch, in dem er seinen Dank ausdrückt, und trinkt einen Schnaps auf das Wohl der Hausbesitzer. Für gewöhnlich wird das Glas danach zu Boden geworfen – zerspringt es, steht eine positive Zukunft im Haus bevor.

Jetzt weiterlesen: Den Dachboden ausbauen - So gelingt Ihnen der Innenausbau unter dem Dach.

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