Nicole Ziese

Baurecht, Statik und fachgerechte Ausführung: So bauen Sie eine Dachterrasse

Ob auf dem Dach der Garage oder in luftiger Höhe auf dem Haus: Eine Dachterrasse ist ein idealer Ort, um seine Freizeit zu genießen. In Städten haben viele Häuser nur kleine Gärten und Wohnungen nur einen Minibalkon – und manchmal nicht einmal das. Mit einer Dachterrasse können Sie das Außengelände der eigenen Immobilie also vergrößern. Doch bevor Sie in Eigenregie mit dem Bau einer solchen Freiluftoase beginnen, gilt es, einige rechtliche und technische Aspekte zu bedenken. Hierzu zählen insbesondere die folgenden Themengebiete:

  • Vorüberlegungen
  • Baurecht
  • Statik
  • Ausführung
  • Gestaltung

1. Vorüberlegungen: Bevor Sie die Dachterrasse planen ...

Viele Immobilieneigentümer hegen den Traum von einer Dachterrasse: Es ist durchaus ein reizvoller Gedanke, auf der eigenen Dachterrasse in den ersten Sonnenstrahlen zu frühstücken oder die Abende dort bei Kerzenschein mit Freunden oder der Familie zu verbringen. Allerdings stellt der Bau einer Dachterrasse teils ein recht kostspieliges Vorhaben dar. Deshalb sollten Sie sich im Vorfeld der Planungsphase folgende Fragen stellen, um herauszufinden, ob sich die Investition wirklich lohnt:

  • Wozu möchte ich die Dachterrasse nutzen?
  • Wie oft werde ich sie realistisch nutzen können?
  • Ist die Dachterrasse von den Nachbarn einsehbar? Wenn ja: Stört mich das?
  • Wie laut ist es im Umfeld?
  • Wie viele Stunden fällt Sonnenschein auf meine Terrasse?
  • Stellt der Bau einer Dachterrasse eine Wertsteigerung meiner Immobilie dar?
Ein Paar steht auf seinem Dachbalkon


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Eine Dachterrasse kann grundsätzlich auf einem Garagendach, auf dem Flachdach eines Hauses, auf einer massiven Balkonüberdachung gebaut oder in ein Satteldach eingefügt werden. Je nachdem variiert der Aufwand. Gleiches gilt für das Budget. Besonders aufwendig und damit teuer ist zumeist die Dachterrasse im Satteldach. Denn hier muss ein Dachdecker zunächst eine Aussparung für die Terrasse schaffen.

Auch beim Zugang zur Dachterrasse haben Sie mehrere Möglichkeiten: Im Normalfall gelangen Sie durch eine Terrassentür nach draußen. Sollte sich bereits ein Fenster an der richtigen Position befinden, wird der Umbau zu einer Terrassentür meist sehr einfach. Ein Wanddurchbruch ist aufwendiger. Die Alternative: eine Außentreppe. Wichtig ist dabei, dass die Treppe sicher ist. Dies umfasst insbesondere die Aspekte Rutschsicherheit und Geländerhöhe.

2. Baurecht: Niemals ohne Baugenehmigung starten

Die Errichtung einer Dachterrasse verändert das Aussehen des Bauwerks. Zudem können Sie von einer Dachterrasse aus oftmals die Gärten der Nachbarn einsehen, was vorher womöglich nicht der Fall war. Daher ist für den Bau einer Dachterrasse stets eine Baugenehmigung erforderlich. In den meisten Bundesländern erfordert das die Beteiligung eines Architekten oder Bauingenieurs. Lediglich in Hessen und Bayern reicht zur Erfüllung dieser Anforderung eine sogenannte kleine Bauvorlageberechtigung durch einen qualifizierten Handwerksmeister.

Tipp: Die örtlichen Baubehörden müssen rechtlich gesehen nicht in die Planungsphase einbezogen werden. Es ist jedoch ratsam, frühzeitig das Gespräch zu suchen. Bauherren können sich normalerweise kostenfrei beraten lassen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn Sie Ihre Dachterrasse auf einem denkmalgeschützten Haus errichten wollen. Außerdem erfahren Sie bereits in einem frühen Stadium die wichtigsten Dinge zum Bebauungsplan, zu nachbarschaftlichen Abstands- und Zustimmungspflichten sowie zum sogenannten Ensembleschutz. So wissen Sie von Anfang an, ob und in welcher Form Ihre Dachterrasse Aussicht auf die Erteilung einer Baugenehmigung hat.

Ein Mann giesst Pflanzen auf der Dachterrasse


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3. Statik: Zwingende Voraussetzung für Baugenehmigung

Im Rahmen des Bauantrags muss der Bauherr nachweisen, dass das Dach die statischen Anforderungen für eine Dachterrasse erfüllt. Dächer sind für die zu erwartenden Belastungen und ihrer typischen Nutzungsweisen konstruiert. Eine Dachterrasse stellt allerdings eine deutliche Mehrbelastung für das Dach dar. Zu berücksichtigen sind hier insbesondere folgende Lasten:

  • Eigenlasten (aus Konstruktion, Aufbau und gegebenenfalls Begrünung)
  • Nutzlasten (Möblierung, Pflanzen, Menschen)
  • Umweltlasten (Wind, Regenwasser, Schnee)

Ein Statiker kann überprüfen, ob Ihr Dach diesen zusätzlichen Belastungen gewachsen ist. Falls sich die Statik nicht für eine Dachterrasse eignet, gibt es bautechnische Möglichkeiten, sie zu optimieren. So können Sie sich den Traum von der Dachterrasse auch in diesem Fall erfüllen. Allerdings erhöhen sich durch solche Maßnahmen die Gesamtkosten teilweise merklich.

4. Ausführung: Noch mehr baurechtliche Vorschriften

Auch im Rahmen der Bauausführung sind mehrere bauchrechtliche Vorschriften zu beachten. Hier sind besonders diese zwei Vorschriftenkataloge wichtig:

  • DIN 18531 – Abdichtung für ungenutzte und genutzte Dächer
  • DIN 18065 – Treppen, Geländer, Brüstungen

Die DIN 18531 regelt diverse Anforderungen sowie Planungs- und Ausführungsgrundsätze für die Errichtung von genutzten Dächern, also insbesondere Dachterrassen. Das betrifft vor allem die folgenden Aspekte:

  • das Mindestgefälle, das eine Dachterrasse aufweisen muss, damit das Wasser abfließt,
  • die Entwässerung, um Niederschlag vom Dach abzuleiten,
  • die Abdichtung, um sicherzustellen, dass kein Niederschlag ins Gebäude eindringt,
  • Materialien, die zum Dachaufbau verwendet werden dürfen,
  • thermische Entkopplung, damit die Hitze oder Kälte von außen nicht ungehindert in das Gebäude dringt.

Die DIN 18065 ist aus zwei Gründen wichtig: Einerseits geht es um Ihre Sicherheit, wenn Sie und Ihre Freunde oder Familie sich auf der Dachterrasse aufhalten. Andererseits geht es um versicherungstechnische Fragen. Denn nur, wenn die Bestimmungen der Norm eingehalten sind, besteht im Falle eines Falles Versicherungsschutz.

Die wichtigste Vorschrift beträgt die Höhe des Geländers. Die Höhe ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In den meisten Ländern beträgt die Mindesthöhe 90 Zentimeter. Ab einer Dachhöhe von 12 Metern muss die Brüstung vielerorts 110 Zentimeter betragen. Sollten sich regelmäßig Kleinkinder auf der Dachterrasse aufhalten, sind zwei weitere Aspekte wichtig:

  • Der Abstand der vertikalen Geländer-Elemente muss so gering sein, dass kein Kinderkopf hindurch passt.
  • Auf horizontale Streben sollte Sie verzichten, da diese ein Hochklettern ermöglichen.
Ein Dachbalkon und grosse Dachfenster


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5. Gestaltung: Endlich die eigene Kreativität ausleben

Bei der Gestaltung Ihrer Dachterrasse haben Sie viele Optionen. Zum Teil schränken zwar baurechtliche Vorschriften oder statische Aspekte die Möglichkeiten ein. Doch grundsätzlich haben Sie gestalterische Freiheit, die Sie in diesen Bereichen ausleben können:

Bodenbelag

Sie haben die Wahl zwischen Natursteinplatten oder Waschbeton sowie Holz und Holzfliesen. Oder Sie nehmen Terrassendielen aus Holz-Polymer-Werkstoffen (WPC). Wichtig ist, dass der verwendete Werkstoff witterungsbeständig und rutschfest ist.

Möbel

Wenn Ihre Dachterrasse nicht überdacht ist, eignen sich Terrassenmöbel besonders gut. Denn diese sind witterungsbeständig und können ganzjährig auf der Dachterrasse verbleiben. Beim Thema Möbel sollten Sie auch über die Beschattung nachdenken. Hier sind Sonnensegel empfehlenswert.

Sichtschutz

Je nachdem, wie einsehbar Ihre Dachterrasse ist, kann ein Sichtschutz empfehlenswert sein. Sie haben die Wahl zwischen einem seitlichen Sichtschutz und einem, der Blicke von oben abhält.

Pflanzen

Sie können Ihre Dachterrasse mit Pflanzenkübeln begrünen oder sie in einen echten Dachgarten verwandeln. Bei der Dachbegründung gibt es drei unterschiedliche Varianten:

  • extensive Begrünung: Gräser und Kräuter auf dünner Substratschicht
  • einfache Intensivbegrünung: Sträucher und Büsche auf mittlerer Substratschicht
  • intensive Begrünung: Rasen und sogar Bäume auf dicker Substratschicht

Wenn Sie alle Schritte beachten, von den Vorüberlegungen über das Baurecht, die Statik, die fachmännische Ausführung bis zur Gestaltung, wird aus Ihrem Projekt Dachterrasse ein Erfolg.

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