Jan Blömeke

Die Qual der Wahl: Welche Farbe für die Dachziegel?

Als Bauherr steht man vor vielen schweren Entscheidungen, besonders beim Dach: Welche Form soll es haben? Welche Dachziegeln sollen drauf? Und was für eine Farbe kommt infrage? Ist eigentlich jede Farbe erlaubt? Erfahren Sie hier, was Sie rund um die Gestaltung Ihres Daches wissen müssen.

Die Grundentscheidungen: Dachform und Bedachungsmaterial

Bei einem Spaziergang durch Wohngebiete begegnen uns verschiedenste Dachformen: spitz, flach, verwinkelt und sogar rund wie beim Tonnendach. Jede Form hat ihre Vor- und Nachteile. So ist das Satteldach besonders günstig, das Walmdach sehr wetterfest und das Flachdach minimalistisch und modern. Letztlich entscheiden Sie, welche Dachform am besten zu Ihnen und Ihrem Haus passt.

Dachziegelfarbe: Dachziegeln in verschiedensten Farben


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Die Form bestimmt die geometrische Gestalt, das Bedachungsmaterial bildet gewissermaßen die Oberhaut darauf. In Deutschland wählen die meisten ein Dach aus Tonziegeln oder Betondachsteinen. Beispiele sind die Frankfurter Pfanne, der Reformziegel oder der Glattziegel. Die größten Unterschiede liegen dabei im Design.

Was ist möglich bei der Dachziegelfarbe?

Hierzulande sind die meisten Dächer bräunlich-rot, aber auch Farben wie Blau, Grün oder Schwarz sind möglich. Wichtig ist dabei stets der Gesamteindruck der Immobilie. Achten Sie darauf, dass das Dach in Form, Farbe und Oberfläche mit dem restlichen Haus harmoniert: Ist die Fassade des Hauses neutral, können Sie mit dem Dach in Form und Farbe spielen. Ist hingegen die Fassade verspielt und extravagant, sollten Sie das Dach schlicht halten. In der Regel unterscheidet man zwischen zwei Farbtypen:

Kontrastfarben

Eine gute Möglichkeit, ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen, ist eine kontrastreiche Farbabstimmung mit der Fassade. Ist diese beispielsweise weiß oder sehr hell, bietet sich eine dunkle Farbe für das Dach an. Auch Komplementärfarben – also Farben, die sich im Farbkreis gegenüberstehen – sind denkbar.

Dachziegelfarbe: ein Haus mit heller Fassade und dunkelblauen Ziegeln


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Ton-in-Ton

Die zweite Variante der harmonischen Abstimmung zwischen Hausfassade und Dach ist die Ton-in-Ton-Gestaltung. Hierbei wird die Farbe des Daches an die Fassadenfarbe angepasst, sodass das Haus in einem durchgängigen Farbton erscheint.

Dachziegelfarbe: ein Haus mit hellroter Backsteinfassade und orangenem Dach


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Die häufigsten Dachfarben sind hierzulande traditionelle Farben wie Rot, Anthrazit oder Braun. Der Grund ist simpel: Die meisten Bauherren gehen bei einer langfristigen Investition wie dem Dach lieber auf Nummer sicher. Schließlich ist die Farbwahl beim Dach eine Entscheidung für Jahrzehnte. Mittlerweile steigt allerdings auch die Anzahl derjenigen, die „Farbe bekennen“ und sich für ein Dach in Dunkelblau oder gedecktem Grün entscheiden.



Unsere Checkliste hilft Ihnen bei der Entscheidung der Dachfarbe:

✅ Besorgen Sie sich die örtliche Bauordnung

✅ Wählen Sie Ihre bevorzugte Ziegelform

✅ Wählen Sie die Oberfläche, die der Dachziegel haben soll

✅ Wählen Sie die gewünschte Ziegelfarbe

✅ Fragen Sie bei Ihrem Dachdecker nach einem Musterziegel



Wichtig: Achten Sie darauf, dass die Farbe der Ziegel in jedem Licht unterschiedlich erscheint. Begutachten Sie die gewünschte Ziegelfarbe auf einem Musterziegel daher bestenfalls direkt auf der Baustelle.

Gestaltungsfreiheit? Nicht alles ist überall möglich

Wer ein neues Haus baut oder ein bestehendes saniert, muss sich an einige Vorgaben halten. Festgehalten sind sie im lokalen Bebauungsplan, der von Ort zu Ort variiert. Einsehen können sie ihn meist online auf der Website Ihrer Stadt oder Gemeinde. Neben der Fassaden- und Dachfarbe regelt der Bebauungsplan beispielsweise auch die Geschosshöhe oder teilweise die Dachform.

Dachziegelfarbe: ein blaues Haus mit orangenem Dach in Schweden


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Grundsätzlich soll der Bebauungsplan gewährleisten, dass alle Häuser zu den regionalen und traditionellen Gegebenheiten eines Ortes passen. Bestimmt der Bebauungsplan nichts Konkretes zum Thema Dachfarbe, so gilt das Einfügungsgebot. Das heißt: Neue Häuser müssen zur Umgebung passen. Die Häuser Ihrer Nachbarn bieten also einen guten Anhaltspunkt. Allgemein lässt sich sagen: Je dezenter, desto genehmigungsfreundlicher.

Achtung: Wenn Sie den Bebauungsplan nicht beachten und bei der Ziegelwahl daneben greifen, kann es schlimmstenfalls passieren, dass Sie Ihr Dach wieder abdecken und noch einmal neu eindecken müssen! Ein teures Vergnügen.

Dachfarbe verweigert? Legen Sie Widerspruch ein

Glasierte Dachziegel gibt es mittlerweile in nahezu jeder Farbe und Form. Neben einer besonderen Optik bieten sie den Vorteil, dass Schmutz und Moos dank der glatten Oberfläche schlechter haften und der Ziegel somit länger sauber bleibt. Bei den Bauämtern sind glasierte Ziegel allerdings nicht immer gerne gesehen. Der Grund: Sie befürchten eine zu starke Blendwirkung.

Dachziegelfarbe: ein Haus mit grauer Klinkerfassade und dunkelblauem Dach


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Dieser Einwand ist allerdings unberechtigt. Bauexperten sind sich einig, dass die geringe Reflexion von glasierten Dachziegeln keine maßgebliche Blendwirkung erzeugt. Tipp: Verbietet Ihr Bauamt ein Dach mit glasierten Ziegeln, können Sie Widerspruch einlegen und argumentieren, dass sowohl Glaskonstruktionen als auch Photovoltaikanlagen erheblich mehr reflektieren, diese aber ohne Auflage genehmigt werden.

Denken Sie auch bei der Dachziegelfarbe weit voraus

Die Entscheidung über die Farbe Ihres Daches ist eine Entscheidung, die Sie mehrere Jahrzehnte begleitet. Die Dachfarbe muss Ihnen schließlich auch noch in 30 Jahren gefallen. Bedenken Sie außerdem mögliche Sturmschäden. Je ausgefallener die Farbe auf dem Dach, desto schwieriger wird ein Nachkauf der Ziegel.

Jetzt weiterlesen: Kleine Ziegelschule – diese 10 Dachziegel sollten Sie kennen.

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