Simone Orlik

Der Energieberater: Deswegen ist er jeden Cent wert

Energetisch auf neuestem Stand zu leben bringt hohen Wohnkomfort, niedrige Heizkosten und Energie aus erneuerbaren Quellen. Es lässt sich heute nicht nur mit einem Neubau realisieren. Immer mehr Eigentümer von Altbauten wagen den Schritt in die energetische Sanierung und heben ihr Haus in Sachen Energieeffizienz auf das Optimum.

Energetische Sanierungen sind allerdings komplex, werden individuell für jedes Haus geplant und setzen fundiertes Fachwissen voraus. Energieberater bringen das nötige Know-how und die Erfahrung mit. Zu ihnen gehören Bauingenieure, Architekten, Techniker oder Handwerksmeister. Sie sind fachlich ausgebildet, zertifiziert und beraten Bauherren, welche Maßnahmen rund um das Heizsystem, eine Solaranlage oder die Dämmung von Dach und Wänden wie viel Energie einsparen.

Was macht ein Energieberater?

Egal, ob es sich nur um die Dachdämmung handelt, eine Komplettsanierung oder einen Neubau: Sie sollten von Anfang an einen unabhängigen Energieberater einbinden. Sofern Sie Fördermittel in Anspruch nehmen wollen, ist er sogar Pflicht.

Zunächst nimmt der Energieberater Ihr Gebäude bei einem Vor-Ort-Besuch unter die Lupe und prüft Schwachstellen. Zum Einsatz kommt zum Beispiel die Thermografie: Mit einer Wärmebildkamera lassen sich Temperaturunterschiede, Feuchtigkeit oder undichte Stellen in der Gebäudehülle feststellen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben.

Thermografie eines modernen Hauses
Thermografie eines alten Hauses
Energieausweis


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Thermografie und Blower-Door-Test

Beim sogenannten Blower-Door-Test wird die Gebäudehülle auf ihre Dichtheit hin überprüft. Das ist vor allem bei Häusern mit jüngerem Baujahr sinnvoll. Doch der Energieberater begutachtet auch das aktuelle Heizsystem und die damit verbundenen Kosten, den Zustand von Fenstern und Haustüren oder er prüft Dämmungen von Dach und Keller. Tipp: Halten Sie in jedem Fall direkt alle vorhandenen technischen Unterlagen und Heizkostenabrechnungen bereit.

Auf Grundlage der Analyse erarbeitet der Energieberater Vorschläge, welche Maßnahmen rund um die energetische Sanierung sinnvoll sind, inklusive einer ersten Kostenschätzung. Nachdem Sie eine Entscheidung gefällt haben, wie und in welchem Zeitrahmen saniert werden soll, erarbeitet der Energieberater die fachlichen Details – die Basis für spätere Angebote. Auch beim Angebotsvergleich oder der Beantragung von Fördergeldern steht Ihnen der Energieberater zur Seite. Und um die Qualität der Arbeiten zu sichern, kann er die Baubegleitung übernehmen.

Schema: Vergleich gedämmte und undgedämmte Wand


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Wer bietet eine Energieberatung an?

Energieberater ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Allerdings legt die Energieeinsparverordnung EnEV fest, wer zum Beispiel Energieausweise ausstellen darf. Bauingenieure, Techniker, Architekten oder Dachdeckermeister gehören typischerweise dazu.

Damit Sie als Eigentümer in den Genuss von Fördermitteln kommen, müssen Sie einen Energieberater beauftragen, der eine Weiterbildung zum energieeffizienten Bauen und Sanieren absolviert hat und umfangreiche Praxiserfahrung nachweisen kann. Auf der Website EnergieeffizienzExperten können Sie unabhängige Experten für die Förderprogramme des Bundes recherchieren. Es handelt sich um eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der KfW-Bankengruppe (KfW).

Tipp: Wer bei der Dachsanierung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen möchte, sucht nach einem Dachdeckermeister, der als Energieberater zertifiziert ist. Das spart einen Arbeitsschritt und einen zusätzlichen Ansprechpartner.

Energetische Wanddämmung von außen
Dachdämmung mit Mineralwolle


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Was kostet ein Energieberater?

Bei der Beauftragung eines zertifizierten Energieberaters können Sie mit Kosten von rund 1.000 Euro rechnen. Die Kosten variieren nach Hausgröße sowie Zeit- und Leistungsumfang. Die gute Nachricht: Das BAFA übernimmt 60 Prozent des Beratungshonorars beziehungsweise zahlt maximal 800 Euro bei Ein- und Zweifamilienhäusern oder 1.100 Euro bei Gebäuden mit drei und mehr Wohneinheiten.

In jedem Fall Förderungen nutzen

Die empfohlenen Sanierungen lassen sich später durch die KfW fördern. Einen Förderkredit von 50.000 Euro erhalten Sie zum Beispiel für eine Dachdämmung als Einzelmaßnahme; und bis zu 120.000 Euro für die Sanierung zum Energieeffizienzhaus (beides im Programm „Energieeffizient Sanieren“).

Auch die Baubegleitung kann der Energieberater auf Wunsch übernehmen. Gefördert wird sie von der KfW im Programm „KfW Energieeffizient Sanieren – Baubegleitung (431). Die Förderung beläuft sich auf 50 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro.

Jetzt weiterlesen: Vermeiden Sie diese 10 Kostenfallen bei einer Dachsanierung.

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