Angelika Polle-Valder

Das Flexhouse: futuristischer Wohntraum mit einer Außenhaut aus Dachschindeln

Wer ein Faible für ausgefallene Eigenheimlösungen hat, sollte einmal die Schweiz besuchen: Am Rande des Zürichsees steht auf einem schmalen Restgrundstück, zwischen Bahnlinie und Straße, das Flexhouse. Bei diesem Bauwerk verschmelzen Innen und Außen, es drückt Dynamik und Flexibilität aus. Dach, Form und Fassade machen dabei den Unterschied: Durch das scheinbar gläserne Haus, das fast wie ein gestrandetes Schiff wirkt, windet sich ein weißes, leicht schimmerndes Band.

Das Flexhouse von der Seite gesehen


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Anschmiegsame Schindeln wie bei Zwiebeltürmen im Vatikan

Um eine derart gerundete Fassade oder auch ein teilweise gewölbtes Dach einzudecken, benötigt man einen Baustoff, der sich flexibel einsetzen lässt. Die weiße Fassade besteht aus rautenförmigen Schindeln, die sich an die Rundungen anschmiegen und sie wetterfest verkleiden. „Weil die Bögen des Hauses eine ganz starke Kraft vermitteln, war es uns wichtig, eine Verkleidung zu finden, die diese Bewegung aufnimmt und auch farblich optisch fortsetzt“, erklärt Stefan Camenzind von Evolution Design. Der Schweizer Architekt hat das Flexhouse entworfen, seit 2016 steht es am Rande des Zürichsees.

Dachmaterial für Rundungen, Krümmungen und Asymmetrien

Nach vielen Materialtests kehrte Camenzind auf den Gedanken von alten Holzschindeln zurück, wie man sie von Kirchtürmen kennt. Doch Holzschindeln, als Material nicht unbedingt passend, kamen für ihn nicht infrage. Die Lösung lag in kleinen Aluminium-Dachrauten, eine modernere Interpretation der Holzschindeln. Diese Dachrauten des Herstellers Prefa zieren unter anderem Zwiebeltürme im Vatikan, Türmchen von Bauten aus der Jahrhundertwende sowie Vordächer und Kamine, da sie sich besonders für Gebäuderundungen, geschwungene Fassaden und asymmetrische Formen eignen.

Die Aussenhaut des Flexhouse im Detail


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Aluminium: vielseitiger Werkstoff für individuelle Traumdächer

Im Grundbau besteht das Flexhouse aus Betondecken, Stahlstützen und aus hölzernen, vorfabrizierten Rundbögen. „Das Gebäude sieht einfach aus, ist aber geometrisch sehr komplex, da der Grundriss trapezförmig ist”, so der Architekt. “Dadurch entstehen schräge Schnitte, die gemacht werden mussten. Die kleinformatigen Dachrauten belegen die Holzkonstruktion der Bögen wie eine Schuppenhaut und folgen jeder Verdrehung der komplexen Geometrie.“

Licht und Luft durchströmen das Innere

Insgesamt 173 Quadratmeter Wohnfläche hat das Eigenheim sowie einen Keller mit Garage und Stauraum. Die Wohnbereiche gehen fließend ineinander über. Mit einer Galerie öffnet sich das Erd- zum Obergeschoss und gibt Blickbeziehungen in die zwei Schlafzimmer frei. Verglaste Innenwände bieten freie Sicht durch das Haus, gewünschte Transparenz oder Privatsphäre regeln Vorhänge.

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Das Flexhouse mit seinem Garten, seiner Terrasse, umgeben von viel Grün
Das Flexhouse von der Seite gesehen: in der Glasfassade spiegelt sich die Landschaft
Das Flexhouse erleuchtet in der Abenddämmerung
Das Flexhouse von der Seite gesehen
Das Flexhouse in der Frontansicht
Das Flexhouse
Das Flexhouse von oben gesehen


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Kein enger Horizont begrenzt den Ausblick

Große Panoramafenster auf zwei Seiten öffnen den Blick auf das Wasser. „Auch wenn ich mich im Haus befinde, bin ich mit der Außenwelt verbunden. Ich spüre den Himmel, ich spüre die Sonne, ich sehe den Wind aus meinem wohlbehüteten Nest, in das ich mich kuscheln kann“, so Flexhouse-Schöpfer Camenzind. Das Studio im Dachgeschoss ist dreiseitig verglast, mit den beiden Dachterrassen bildet es den Höhepunkt in der Verzahnung von Innen und Außen. Außerdem bietet es einen fantastischen Panoramablick über den Zürichsee bis hin zu den Bergen – wenn man den Blick überhaupt von dem traumhaften Gebäude abwenden möchte.

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