Nicole Ziese

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ab 1.11.2020: Neue Regeln für Ihr Haus

Der Gesetzgeber hat 2020 eine Reform des Energierechts beschlossen. Mit der Einführung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) am 1. November 2020 treten mehrere bisher für diesen Regelungsbereich bestehende Gesetze außer Kraft. Die einstigen Regelungen werden im GEG zusammengeführt und fortgeschrieben. Das GEG umfasst einen Regelungskatalog der energetischen Anforderungen an Neubauten und an Bestandsgebäude sowie an den Einsatz von erneuerbaren Energien zur Wärme- und Kälteversorgung.

Mit dem GEG wird ein neues, modernes und aufeinander abgestimmtes Regelungspaket geschaffen. Es betrifft folgende Bereiche:

  • Die energetische Qualität von Gebäuden (Neubauten und umfassende Sanierungen),
  • Die Erstellung und Verwendung von Energieausweisen und
  • Den Einsatz von erneuerbaren Energien in Gebäuden.

Gebäudeenergiegesetz: Wie kam es zu dem Gesetz?

Für das GEG gibt es mehrere Gründe. Zum einen führt es die nebeneinander bestehenden Gesetze und Verordnungen zusammen: Das GEG ersetzt das Energieeinspargesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Zum anderen resultiert es aus EU-Vorgaben: In der bislang gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) waren die EU-Vorgaben zum Thema Niedrigstenergie-Neubauten nicht vollständig umgesetzt worden.

Das neue Gebäudeenergiegesetz: eine Thermovisions-Kamera erfasst ein Wärmebild innerhalb eines Hauses


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Und schließlich ist das Gesetz auch ein Ergebnis des Koalitionsvertrages der GroKo, des Wohnungsgipfels 2018 und des Klimaschutzprogramms 2030. Das GEG setzt die dort beschlossenen Maßnahmen rund um das Energieeinsparrecht für Gebäude um.

GEG im Überblick: Wie ist das Gesetz aufgebaut?

Der Gesetzestext des GEG ist hier zu finden. Insgesamt umfasst das GEG neun Teile. Für Hausbesitzer sind jedoch primär die ersten sechs Teile von Bedeutung:

1. Allgemeiner Teil: Hier werden grundsätzliche Dinge geregelt wie der Anwendungsbereich des Gesetzes. Auch Begriffsbestimmungen finden sich hier.

2. Anforderungen an zu errichtende Gebäude (Neubauten): In diesem Teil ist geregelt, welche energetischen Anforderungen Neubauten erfüllen müssen und wie die Berechnung erfolgt. Hier finden sich zudem die Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien.

3. Bestehende Gebäude: Die Regelungen für Bestandsgebäude finden sich in diesem Teil. Diese umfassen sowohl den Themenbereich Energieeffizienz als auch die Nutzung erneuerbarer Energien.

4. Anlagen der Heizungs-, Kühl- sowie Raumlufttechnik und der Wasserversorgung: In diesem Bereich sind Vorgaben zusammengefasst, die sich auf bestehende sowie neu zu errichtende Anlagetechnik beziehen.

5. Energieausweise: Dieser Teil fasst zusammen, welche Inhalte ein Energieausweis aufweisen muss, wie und durch wen er ausgestellt und verwendet werden muss.

6. Finanzielle Förderung: Hier finden sich Informationen rund um das Thema Fördermittel und welche Maßnahmen gefördert werden können.

Draufsicht auf die unterschiedlichen Dachschichten


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Was regelt das Gebäudeenergiegesetz?

Das neue GEG ist ein umfassendes Regelungswerk. Knapp zusammengefasst finden sich im GEG Regelungen zu den energetischen Anforderungen an Neubauten und Bestandsimmobilien sowie den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden. Das sind die wichtigsten Fakten zum neuen GEG:

Verpflichtung zur Nutzung erneuerbarer Energien: Über das neue GEG werden Bauherren dazu verpflichtet, mindestens eine Form von erneuerbarer Energie zu verwenden.

Die energetischen Anforderungen an Neubauten lassen sich künftig über mehr Optionen realisieren: Neben Energie aus Solaranlagen und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen erfüllt auch die Nutzung erneuerbarer Energien aus Fern- und Abwärme sowie gasförmiger Biomasse unter bestimmten Voraussetzungen die Anforderungen.

Das neue Gebäudeenergiegesetz: Ein Hausdach mit Solarpaneelen


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Anforderungen an Bestandsimmobilien: Erfolgt eine wesentliche Renovierung, so muss auch bei Bestandsimmobilien eine Energieberatung erfolgen.

Energieausweise: Die Anforderungen an Energieausweise werden verschärft. Dies betrifft zum einen die Inhalte, zum anderen die Anforderungen an die Qualifikation der Aussteller von Energieausweisen. Außerdem sind mit dem neuen GEG auch Makler verpflichtet, einen Energieausweis vorzulegen und nicht mehr nur der Vermieter beziehungsweise Verkäufer.

Pflicht zum Austausch von Öl- und Kohleheizkesseln: Auf Dauer sollen Öl- und Kohleheizkessel komplett verschwinden. Soll in einer Bestandsimmobilie ein Öl- oder Kohleheizkessel gegen ein neueres Modell ausgetauscht werden, so ist dies an bestimmte Bedingungen gekoppelt. In der Regel muss sichergestellt sein, dass der Energiebedarf für die Wärme- und Kältetechnik zu einem Teil durch erneuerbare Energien gedeckt wird.

Satteldach: Ein Einfamilienhaus mit Steildach und Solarpanelen


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Das GEG auf einen Blick

Das GEG stellt eine Zusammenführung und Fortschreibung der bisherigen Regelungen dar: EnEG, EnEV und EEWärmeG. Es tritt zum 1. November 2020 in Kraft. Die wesentlichen Inhalte sind ein abgestimmtes Regelwerk für die energetischen Anforderungen an Neubauten und Bestandsbauten, Bestimmungen für den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden sowie Regelungen zur Ausstellung, den Inhalten und der Verwendung von Energieausweisen. In den nächsten Artikeln werden wir Sie über die konkreten Bestimmungen für Bauherren und Hausbesitzer sowie über die Fördermittel informieren.

Jetzt weiterlesen: Die Dachdämmung – Varianten, Kosten, Zuschüsse.

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