Simone Orlik

Das Mansardendach: viel Platz, viel Dach

Was haben das Mansardendach und der Louvre in Paris gemeinsam? Beide gehen auf den Architekten und Bildhauer Pierre Lescot zurück, der im 16. Jahrhundert zu Zeiten der Renaissance lebte. Seinen eigentlichen Namen erhielt das Mansardendach, auch verkürzt: Mansarddach, allerdings erst 100 Jahre später durch den Architekten François Mansart. Er entwickelte die Dachform mit dem berühmten Knick in der Dachfläche weiter.

Das Mansardendach: Aus zwei wird eins

Sprechen wir über das Mansardendach, sind eigentlich zwei Dächer gemeint: ein steiles Dach und ein etwas flacheres Dach darüber. Grundgerüst für diese Konstruktion bildet in der Regel ein Sattel- oder Walmdach: Das Mansardgiebeldach basiert auf zwei, das Mansardwalmdach auf vier Flächen. Dabei knicken die unteren Dachflächen ab und sind steil nach unten ausgerichtet.

Beliebteste Dachformen: eine Häusersiedlung mit Mansardendächern


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Die praktischen Vorteile: Das Dach liegt wie eine Haube über dem Gebäude und bietet Wind und Wetter wenig Angriffsfläche. Dazu entsteht unter dem Dach viel Wohnraum, weil fast keine Schrägen vorhanden sind. In seltenen Fällen sind die unteren Dachflächen nach außen gewölbt, siehe Titelbild oben. Dann spricht man vom Mansardendach mit Fußwalm.

Vor- und Nachteile der Dachform

Oben flach, unten steil: Die besondere Dachform führt zu einem Wohnraum, der sich beinahe wie ein Vollgeschoss nutzen lässt. Der nicht nutzbare Raum reduziert sich auf ein Minimum. In extremen Fällen ist sogar im oberen Dachbereich ein Flachdach möglich. In die Dachflächen selbst lassen sich je nach Wunsch Dachfenster oder Gauben einbauen. Sie sorgen dafür, dass es unter dem Dach jede Menge Licht gibt.

Auch in der Wahl der Dacheindeckung haben Sie bei einem Mansardendach freie Hand. Schiefer, Dachziegel oder moderne Materialien sind auf Kundenwunsch möglich und richten sich nach dem vorhandenen Budget. In der Regel kommen allerdings Ziegel auf das Mansardendach.

Rohgerüst eines Mansardendach


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Der Mansardknick ist eine potenzielle Schwachstelle

Ohne Zweifel wertet ein Mansardendach ein Ein- oder Mehrfamilienhaus optisch auf. Allerdings ist die Dachkonstruktion aufwendig und deutlich kostenintensiver als bei anderen Formen. Durch die unterschiedlichen Neigungen werden hier zwei Dachstühle miteinander kombiniert – und müssen sorgfältig miteinander verbunden werden. Vor allem der Knick ist eine typische Schwachstelle. Bei unsachgemäßer Abdichtung drohen undichte Stellen, die die Dachdämmung beschädigen können.

Für Bauherren, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach montieren möchten, empfiehlt sich die Dachform nicht. In der Regel sind die einzelnen Dachflächen zu klein, um Solarkollektoren zu montieren.

Kosten rund um das Mansardendach

Das Mansardendach ist eine komplexe Konstruktion. Aufgrund des besonders großen Dachstuhls sind Holz und Dämmmaterial in größeren Mengen nötig. Beide Komponenten schlagen sich im Preis nieder. Als Faustregel gilt: Im Vergleich zum Satteldach sollten Sie mindestens 40 Prozent mehr Kosten veranschlagen.

Rote amerikanische Scheune mit Mansardendach


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Aufgrund der komplexen Konstruktion benötigt das Mansardendach eine regelmäßige Wartung. Vor allem die Anschlussstellen zwischen den unterschiedlich geneigten Dachflächen sollte der Dachdecker regelmäßig überprüfen. Dann bleibt die Dämmfunktion auch nach Jahren intakt und Schäden werden schnell entdeckt. Mit einem Wartungsvertrag zwischen Hausbesitzer und Dachdecker sorgen Sie für einen soliden Rundum-Schutz.

Das Mansardendach: Ästhetik und Kellerersatz

Sie legen Wert auf elegante Ästhetik im Villenstil oder viel Wohnraum unter dem Dach – zum Beispiel, weil Sie auf einen Kellerbau verzichten müssen? In beiden Fällen treffen Sie mit dem Mansardendach eine gute Wahl. Einzige Bedingung: Sie akzeptieren die höheren Erstkosten und denken an die regelmäßige Dachwartung.

Jetzt weiterlesen: Das sind die fünf beliebtesten Dachformen für das Eigenheim.

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