Jan Blömeke

Die Natur als Vorbild: 6 Gebäude und Dächer zum Staunen

Wir fliegen wie Vögel, schwimmen wie Fische und bauen wie Insekten: Seit Jahrtausenden orientiert sich der Mensch bei seinen Konstruktionen an natürlichen Vorbildern. Auch in der Architektur. Bei einigen Bauten sind Pflanzen selbst Gestaltungselemente, bei anderen schauen sich Architekten die Formensprache der Natur ab. So auch die Schöpfer der folgenden, besonderen Bauwerke.

1. Tree Houses am Dawson Lake: Nachhaltige Spitzdächer am See

Inspiriert vom umliegenden Wald konzipierte das italienische Architektenbüro Peter Pichler Architecture acht nachhaltige "Tree Houses" am Dawson Lake in West Virginia in den USA. Obwohl der Projektname das Gegenteil vermuten lässt, sind die Tree Houses keine klassischen Baumhäuser im Baum, sondern ruhen auf kleinen Betonfundamenten. Insgesamt acht Einheiten von je 36 bis 55 Quadratmetern auf zwei Ebenen sollen laut den Architekten Peter Pichler und Silvana Ordinas ein neues Erlebnis schaffen, um im Wald mit maximaler Verbundenheit zur Natur zu leben.

Ziel des Projektes ist es, eine „langsame“ Art des Tourismus in Gang zu setzen, bei der die Natur und die Integration der Architektur eine große Rolle spielen und die Umweltauswirkungen minimiert werden. Die gesamte Struktur der Tree Houses, für die der Baustart in diesem Jahr erfolgen soll, wird laut den Architekten aus einheimischem Holz hergestellt.

Peter Pichler Architecture Tree Houses Frontansicht
Peter Pichler Architecture Tree Houses Landschaft
Peter Pichler Architecture Tree Houses Innenansicht


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2. PAN Treetop Cabins: Schwebende Waldhütten in Norwegen

Auch die PAN Treetop Cabins in Finnskogen im Osten Norwegens wurden vom umliegenden Wald inspiriert. Das Ziel der Gründer Kristian Rostad und Christine Mowinckel in Zusammenarbeit mit dem Architekten Espen Surnevik war es, nur mit den regional verfügbaren Ressourcen einen umweltfreundlichen und nachhaltigen Tourismus in Gang zu setzen. Außerdem wollte der Architekt besondere Gebäude entwickeln, die sich leicht in die Landschaft einfügen, ohne dabei die umliegende Natur zu stark zu verändern.

Von außen erinnern die beiden Baumhäuser in ihrer Form an eine Tanne, das Dach an einen Tannenzapfen. Auf der Vorder- und Rückseite sorgen zwei große dreieckige Glasfassaden für viel natürliches Licht im Innenraum. Laut dem Architekten wurden alle Materialien, die Innenausstattung und Bodenbeläge speziell ausgewählt, sodass sie in Verbindung mit dem natürlichen Licht das Gefühl erzeugen, draußen in der Natur zu sitzen.

PAN Treetop Cabins im Winter von außen
Dach des PAN Treetop Cabins
PAN Treetop Cabins von unten


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3. Katzenkindergarten in Karlsruhe: eine Mieze auf der Pirsch

Am Rande von Karlsruhe liegt im Stadtteil Wolfartsweier ein Kindergarten, den es so kein zweites Mal in Deutschland gibt. Die Rede ist vom Katzenkindergarten „Katze auf der Pirsch“. Das besondere Bauwerk wurde im Februar 2002 offiziell eingeweiht und stellt eine überdimensionale Katze dar, die sich auf der Pirsch befindet. Ihr gegenüber positionierte der elsässische Künstler und Designer Tomi Ungerer einen bunten Vogel auf einem stählernen Gerüst. Die massive Architektur des Kindergartens und die filigrane Konstruktion des Vogels bilden einen starken Gegensatz.

Über das Maul der Katze gelangt man in den Bauch, die großen Katzenaugen fluten das Innere mit Tageslicht. Jedes Körperteil der Katze bietet den rund 100 Kindern, die hier betreut werden, Platz zum Spielen und zum Toben. Selbst an den Katzenschwanz in Form einer Rutsche ins Freie dachte der Architekt. Das begrünte Flachdach zeichnet das Fell auf dem Rücken der Katze nach.

Katzenkindergarten Karlsruhe von vorne
Katzenkindergarten in Karlsruhe von oben
Katzenkindergarten Karlsruhe mit Vogel von vorn


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4. Casa do Penedo: Einzigartiges Felsenhaus in Portugal

Die Casa do Penedo, auch „Haus des Felsens“ oder „Steinhaus“ genannt, ist ein besonderes Bauwerk im Norden Portugals, das sich ideal in die umliegende Landschaft einfügt. Es liegt in der Nähe der Stadt Fafe, nordöstlich von Porto. Das Besondere an dem Haus ist die Tatsache, dass es zwischen vier großen Felsblöcken gebaut wurde, die gleichzeitig als Fundament, Wände und Decke dienen. Bis auf die hölzerne Treppe, die Glasfenster, die Metalltür und das mit Ziegeln bedeckte Dach besteht das Haus hauptsächlich aus Stein. Gebaut wurde es zwischen 1970 und 1974 vom Dach aus abwärts. Es war als Erholungsort geplant. Mittlerweile befindet sich im Inneren ein kleines Museum.

Casa do Penedo: Steinhaus in Portugal Frontansicht
Casa do Penedo: Steinhaus in Portugal Rückseite


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5. Flower Dome & Cloud Forest: Riesen-Gewächshäuser in Singapur

Der Flower Dome im Garden by the Bay in Singapur gilt als das größte Glas-Gewächshaus der Welt. Direkt neben ihm liegt der bauähnliche, aber etwas kleinere Cloud Forest. Insgesamt beläuft sich die Fläche der beiden überdimensionalen, säulenlosen Gewächshäuser auf knapp zwei Hektar - umgerechnet also fast drei Fußballfelder. Beide Gewächshäuser wurde als Leichtbaukonstruktionen aus tragenden Stahlbögen und abgehängten Gitterschalen mit Wärmeschutzverglasung gebaut.

Beim Flower Dome besteht die Außenwand aus stolzen 3.332 Glaspaneelen auf einer Fläche von rund 16.000 Quadratmetern. Im Inneren der beiden Gewächshäuser finden die Besucher typische Pflanzen aus Südafrika, Kalifornien und dem Mittelmeerraum sowie tropische Bergwälder, die sonst nur in Höhen von 1.000 bis 3.500 Metern anzutreffen sind. Außerdem gibt es einen begehbaren und bewachsenen Berg mit 35 Meter hohem Wasserfall. Damit die zum Teil kostbaren Pflanzen vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind, besitzen die Gewächshäuser einen computergesteuerten Sonnenschutz, der sich innerhalb von 70 Sekunden komplett ausfahren kann.

Flower Dome von oben
Wasserfall Cloud Forest
Flower Dome und Cloud Forest bei Nacht


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6. L’Hemisfèric: Das Auge des Wissens in Valencia

Inmitten der Stadt der Künste und Wissenschaften in Valencia, Spanien befindet sich ein bautechnisch ähnliches Gebäude wie der Flower Dome: das L’Hemisfèric, auch Auge des Wissens genannt.

Das Gebäude wurde bereits 1998 errichtet, erstreckt sich auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern und soll einem riesigen Augenlid ähneln, das sich zum umliegenden Wasserbecken öffnet. Gebaut wurde es als erstes Bauwerk in der 350.000 Quadratmeter großen Stadt der Künste und Wissenschaften, ein kultureller und architektonischer Gebäude- und Parkkomplex im trockenen Flussbett des Turia, inmitten von Valencia. Im Inneren beheimatet es eine Halbkugel aus einer 110 Meter langen und 55,5 Meter breiten Betonkonstruktion, in der Besucher ein IMAX-Kino, Planetarium und Laserium finden. Die Betonkugel soll die Iris des Auges darstellen.

L’Hemisfèric: Auge des Wissens Valencia
L’Hemisfèric: Auge des Wissens Valencia


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Lust auf noch mehr besondere Bauten?

Neben diesen besonderen Bauwerken gibt es weltweit viele weitere, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Form, den verwendeten Materialien, der Integration in die Umgebung oder ihres Daches einzigartig sind. So zum Beispiel das Dach des Opernhauses in Sydney, das von Palmenwedeln inspiriert wurde. Oder das Dach der Elbphilharmonie in Hamburg, bei dem sich die Schöpfer an Wasserblasen und Wellen orientierten. Mehr zu diesen faszinierenden Bauten finden Sie in den Artikeln, die wir Ihnen weiter unten verlinkt haben.

Jetzt weiterlesen: Faszinierende Höhepunkte der Baukunst: 7 weltbekannte Dächer

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