Simone Orlik

Naturdämmstoffe für Fassade und Dach

Ihr Haus benötigt eine (neue) Wärmedämmung? Auch wenn Styropor, Stein- und Glaswolle einen Großteil des Marktes ausmachen, verwendet man zunehmend ökologische Dämmstoffe. Dazu gehören zum Beispiel Flachs, Kork, Jute und Stroh oder, wie im Titelbild zu sehen, Holzfasermatten. Die ökologischen Wärmedämmungen sind vor allem wegen ihrer Nachhaltigkeit, der ausgeglichenen CO2-Bilanz und des gesunden Raumklimas beliebt.

Naturdämmstoffe im Überblick

Natürliche Dämmstoffe lassen sich aus sehr unterschiedlichen Rohstoffen gewinnen. Sie werden weiterverarbeitet zu losem Material und zu flexiblen oder festen Platten. Eine aktuelle Übersicht zeigt, was heute als ökologischer Dämmstoff nutzbar ist:

  • Holzfasern
  • Stroh
  • Schilf
  • Hanf
  • Jute
  • Flachs
  • Kork
  • Schafswolle
  • Seegras
  • Zellulose

Die Verarbeitung dieser natürlichen Wärmedämmungen unterscheidet sich teils deutlich von den konventionellen Materialien. Deswegen empfehlen wir Ihnen, mit einem erfahrenen Fachbetrieb zusammenzuarbeiten. So beugen Sie einer unsachgemäßen Ausführung vor.

Naturdämmstoff: Gepresster Stroh
Naturdämmstoff: Flachs
Naturdämmstoffe: Roher Flachs
Naturdämmstoffe: Hanffaserplatten
Zimmerer isoliert ein Haus mit Naturdämmstoffen


Foto:

1. Ökologische Wärmedämmung mit Holzfasern

Holzfasern werden aus Sägeresten und Hackschnitzeln heimischer Nadelhölzer gewonnen und meistens im Nassverfahren zu festen oder flexiblen Holzfasermatten verarbeitet. Die Hersteller weichen die Fasern auf, um sie anschließend unter Hitze abzubinden. Holzeigene Stoffe fungieren als Klebemittel. Gerade Anbieter von Holz-Fertighäusern, die sich auf das Thema Wohngesundheit spezialisiert haben, dämmen ihre Häuser mit natürlichen Holzfasern, von der Fassade bis hin zum Dachfirst.

Naturdämmstoffe: Trockene Holzfasern


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Die Besonderheit dieses Naturdämmstoffs: Holzfaser reguliert das Raumklima, indem sie bis zu 20 Prozent an Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt. Die Wärmespeicherfähigkeit zeigt ebenso wie die Hitzebelastung im Sommer solide Werte. An heißen Tagen nimmt die natürliche Dämmung die Außenwärme auf, speichert diese und gibt sie verzögert an die Umgebung ab. Um die Holzdämmung vor Schimmel oder Schädlingen zu schützen, können Zusatzstoffe wie Borsalze oder Soda zum Einsatz kommen.

Naturdämmstoffe – Eigenschaften von Holzfasern:

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040 W/(m K)
  • Rohdichte: 110 bis 250 kg/m³
  • Brandschutzklasse: B2
  • Recyclingfähig

2. Kork: Naturdämmstoff für Dach und Fassade

Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Kork nur als ökologischer Fußbodenbelag, Schalldämpfer oder Verschluss für erlesene Weine diente. Ein Beispiel dafür, welche Symbiose dieser natürliche Dämmstoff mit moderner Architektur eingehen kann, ist das sogenannte Korkenzieherhaus in Berlin. Dort ist ein Einfamilienhaus in Holzbauweise entstanden, dessen Hülle komplett aus Kork besteht.

Naturdämmstoffe: Kork


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Kork, der immer wieder nachwachsende Stoff, wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen, die auf der iberischen Halbinsel und in Nordafrika wächst. Er wird zu Back- oder Presskork verarbeitet. Aufsparrendämmungen realisiert man oft mit Backkorkplatten, in Zwischensparrendämmungen kommt manchmal auch loses Granulat zum Einsatz. Kork verfügt über eine gute Wärmeleitfähigkeit, ist luft- und wasserdicht, langlebig und schimmelresistent.

Naturdämmstoffe – Eigenschaften von Kork:

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,040 – 0,050 W/(m K)
  • Rohstoffdichte Korkplatten: 80 – 500 Kg/m³
  • Brandschutzklasse: B2
  • Recycelbar

3. Naturdämmstoff Zellulose

Eine natürliche Wärmedämmung aus Papier? Tatsächlich: Zellulosefasern entstehen durch das Recycling von sauberem Altpapier. Das Material wird zerkleinert, ausgefasert und erhält zum Schluss die Form voluminöser, trockener Flocken. Weil Zellulose nicht mit Wasser in Verbindung kommen darf, nutzt man sie zur Innendämmung, beispielsweise als Zwischensparrendämmung der Dachschrägen.

Naturdämmstoff: Trockene Zellulosefasern


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In loser Form wird Zellulose in die schwer zugänglichen Hohlräume des Dachs transportiert und so verdichtet, dass sich eine durchgängige Dämmschicht ergibt. Zusätze von Borsalz, Naturharzen oder Ammoniumpolyphosphat stellen Brand- und Insektenschutz sicher. Neben guten Dämmeigenschaften bietet Zellulose einen hohen Schallschutz und schützt im Sommer vor Hitze unter dem Dach.

Naturdämmstoffe – Eigenschaften von Zellulose:

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,04 bis 0,045 W/(m K)
  • Rohstoffdichte: 35 – 55 kg/m3
  • Brandschutzklasse: B2
  • Entsorgung in örtlichen Deponien

4. Dächer decken mit Schilf

Schilf oder Reet dient seit vielen Jahrhunderten zum Hausbau. Vor allem in Küstenregionen prägen reetgedeckte Häuser das landschaftliche Bild. Weil Schilf trotz hoher Feuchtigkeit nicht verrottet und Fäulnis oder Pilze keine Gefahr darstellen, ist es hier so beliebt.

Bei der Verarbeitung werden die dicken Schilfrohre gepresst und durch Drähte miteinander verbunden. So entstehen im Inneren große Luftkammern, die sowohl einen guten Wärmeschutz als auch einen hervorragenden Schallschutz bieten.

Naturdämmstoffe: Schilf


Foto:

Ein Reetdach allein gilt allerdings nicht als Naturdämmstoff. Je nach Dachaufbau kommen weitere Dämmungen wie Mineralwolle hinzu, Sondergenehmigungen sind erforderlich. Wer sich ein Reetdach wünscht, holt sich eine Beratung beim erfahrenen Dachdeckerbetrieb.

Eigenschaften von Schilf:

  • Wärmeleitfähigkeit: 0,038 – 0,055 W/(m K)
  • Rohstoffdichte: 190 – 225 Kg/m³
  • Brandschutzklasse: B2
  • Recyclingfähig

Natürlich dämmen für Gesundheit und Klima

Naturdämmstoffe schonen Ressourcen, habe eine positive CO2-Bilanz und sind beim Rückbau umweltschonend. Mit ihnen lässt sich ökologisch bauen. Und gerade was die Wohngesundheit angeht, sorgen sie für ein behagliches Raumklima.

Jetzt weiterlesen: Ökologische Dacheindeckung – Wie umweltfreundlich sind Dachziegel und Co.?

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