Nicole Ziese

Ökologische Dacheindeckung: Wie umweltfreundlich sind Dachziegel & Co.?

Ob beim Neubau oder bei einer Dachsanierung: Bauherren stellt sich die Frage, welches Bedachungsmaterial es sein soll. Betondachsteine? Dachziegel aus Ton? Vielleicht ein Dach aus Metall oder sogar aus Schiefer? Zu den Kriterien für die Dacheindeckung gehören die Haltbarkeit, die Kosten und die Optik. Aber auch die Umweltverträglichkeit und die Ökobilanz.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die verschiedenen Dacheindeckungen für Steildächer. Das Flachdach stellt in vielerlei Hinsicht einen Sonderfall dar, so auch beim Bedachungsmaterial.

Ökologische Dacheindeckung: Auf diese Aspekte kommt es an

Die Ökobilanz eines Werkstoffes, also auch von Bedachungsmaterialien, hängt von mehreren Faktoren ab:

Rohstoffgewinnung
Wie und wo werden die Rohstoffe abgebaut? Hierbei geht es darum, ob die Rohstoffe über weite Strecken transportiert werden müssen, bevor sie verarbeitet und schließlich auf der Baustelle verwendet werden. Des weiteren ist zu beachten, woher die Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden.

Verarbeitung
Wie hoch ist der Energieaufwand für die Verarbeitung der Rohstoffe? Welche zusätzlichen Materialien, die gegebenenfalls eine negative Ökobilanz aufweisen, werden im Rahmen des Verarbeitungsprozesses verwendet? Welche Neben- und Abfallprodukte fallen bei der Herstellung an?

Verpackung
Welche Materialien werden benötigt, um das Bedachungsmaterial für den Transport zu verpacken? Wie groß ist die Verpackungsmenge?

Nachhaltigkeit
Eine wesentliche Frage ist auch die Lebensdauer des Bedachungsmaterials. Nach welchem Zeitraum müssen Sie die Dacheindeckung erneuern? In welcher Form wird das Material dann entsorgt oder wiederverwendet? Die Wiederverwertung von Materialien hat in der Baubranche in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Sonstige Aspekte
Wie hoch ist das Risiko einer Versauerung oder Überdüngung von Böden durch den Anbau und Abbau der Rohstoffe? Wie groß ist die Auswirkung auf die Feinstaubbelastung sowie den Sommersmog?

Rote Tonziegeln


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Die Ökobilanz der verschiedenen Bedachungsmaterialien

Zur Dacheindeckung gibt es weit mehr als nur Dachziegel. Die Auswahl an Bedachungsmaterialien ist groß und jedes Material hat spezifische Eigenschaften. Die Dacheindeckungen unterscheiden sich zum Teil stark hinsichtlich der Optik, der Lebensdauer, des Preises, der gestalterischen Vielfalt sowie der Umwelt- und Ökobilanz.

Dachziegel contra Dachsteine

Auf Deutschlands Dächern setzen sich Dachsteine aus Beton immer häufiger gegen die traditionellen Dachziegeln aus Ton durch. Dies liegt auch daran, dass moderne Herstellungsverfahren dazu geführt haben, Vielfalt und Qualität der Dachsteine zu steigern. Zudem haben Untersuchungen gezeigt, dass Dachsteine unter dem Gesichtspunkt der gesamten Umweltbilanz in fast allen Punkten besser abschneiden als Dachziegeln.

Die Herstellung von Dachsteinen verbraucht deutlich weniger Energie als die Produktion von Dachziegeln. Nicht zuletzt, weil der Beton der Dachsteine bereits bei 60 Grad aushärtet. Der Ton der Dachziegeln wird hingegen bei rund 900 Grad gebrannt. Bei Dachsteinen muss lediglich das Vorprodukt Zement gebrannt werden. Darüber hinaus besitzen Dachsteine zusätzliche positive Umwelteigenschaften:

  • Verringerung von Saurem Regen
  • Entlastung der Ökosysteme
  • Reduzierung von Sommersmog
  • Geringes Feinstaubpotenzial
  • Reduzierte atmosphärische Quecksilberemissionen

Das soll keineswegs heißen, dass wir von Dachziegeln abraten. Wenn es jedoch um die Aspekte Nachhaltigkeit und Ökobilanz geht, haben Dachsteine die Nase vorn. Außerdem ist zu erwähnen, dass der Verbrauch an mineralischen Zuschlagstoffen wie Quarzsand für die Produktion von Betondachsteinen steigt: Der weltweite Bedarf an Sand hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Förderung geschieht häufig unter großem Maschineneinsatz, was die Nachhaltigkeit und die Ökobilanz von Betondachsteinen schmälert.

Rote Betonziegeln und blauer Himmel


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Ökobilanz und Nachhaltigkeit von Metalldächern

Bei Metalldächern handelt es sich um einen Sammelbegriff für Bedachungen aus unterschiedlichen Metallen. Gängig sind Dächer aus Kupfer, Zink oder auch Aluminium. Die unterschiedlichen Metalle haben zum Teil sehr unterschiedliche spezifische Eigenschaften.

Metalldächer sind nahezu alterungs- und korrosionsbeständig. Außerdem sind sie relativ leicht. Bei Dachsanierungen muss also ein bestehender Dachstuhl in der Regel nicht verstärkt werden, um eine Eindeckung mit Metall aufbringen zu können. Das wirkt sich ebenfalls positiv auf die Ökobilanz aus. Zudem werden sie aus recycelbaren Materialien hergestellt.

Blei und Aluminium sind problematisch

Einzig das Bleidach hat eine deutlich negative Ökobilanz, da Blei für Mensch und Natur eine Gefahr bedeutet. Mit dem abfließenden Regenwasser können Bleipartikel in die Umwelt und auch ins Grundwasser gelangen. Allerdings gibt es Bleidächer mit speziellen Versiegelungen oder Lacken, die ein Herauswaschen von Blei verhindern.

Unter Öko- und Umweltaspekten kritisch zu sehen sind auch Aluminiumdächer. Die baulichen Eigenschaften von Aluminium sind hervorragend. Jedoch stellt der Herstellungsprozess gleich auf mehreren Ebenen eine Belastung für Umwelt und Ökologie dar:

  • Gewinnung: Oftmals ist das Abholzen von Ur- und Regenwäldern erforderlich, um den Rohstoff abbauen zu können.
  • Die Arbeitsbedingungen sind zum Teil mindestens fragwürdig.
  • Gewinnung des reinen Aluminiums: Das abgebaute Aluminium muss von anderen Stoffen getrennt werden. Hierbei entsteht der sogenannte Rotschlamm, der sowohl giftige Chemikalien als auch Blei und Schwermetalle enthält.
  • Energieaufwand: Zur Gewinnung von Aluminium kommt das sogenannte Elektrolyseverfahren zum Einsatz, das extrem energieaufwendig ist.
Einfamilienhaus mit grauer Metalldach und Metallverkleidung


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Natürliche Bedachungsmaterialien wie Schiefer und Reet

Zu den gängigsten natürlichen Bedachungsmaterialien zählen Schiefer und Reet. Beide punkten durch ihre gute Öko- und Umweltbilanz. Beim Schiefer kommt hinzu, dass er eine sehr lange Lebensdauer und einen geringen Wartungsaufwand hat. Daher ist hier die Nachhaltigkeit sehr groß.

100-prozentiges Naturprodukt: Schiefer

Schiefer besitzt nicht nur eine lange Tradition als Material zur Dacheindeckung. Das Material überzeugt auch durch seine hervorragende Ökobilanz.

Bei Schiefer handelt es sich um ein 100-prozentiges Naturprodukt. Der Schieferstein wird in Bergwerken abgebaut. Hierbei sind keine Bindemittel erforderlich. Auch der Energieaufwand beim Abbau ist sehr gering. Schiefervorkommen gibt es auf fast allen Kontinenten und in den meisten europäischen Ländern, weshalb die Transportwege kurz sind. Zudem sind keine Zwischenschritte bei der Verarbeitung erforderlich, sodass auch hier keine zusätzlichen Transportwege entstehen.

Ein Haus aus Stein mit in der Sonne glänzendem Schieferdach von oben gesehen


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Hinzukommt die lange Lebensdauer: Ein Schieferdach kann gut 100 Jahre überdauern, oftmals länger. Als Naturstoff ist auch die Entsorgung von Schiefer ökologisch unproblematisch. Zudem lassen sich Schieferschindeln als Schiefersplitt oder Schiefermehl weiternutzen.

Nachwachsende Dacheindeckung: Reet

Auch wenn Reetdächer heute vor allem mit deutschen Küstenregionen verbunden werden, standen doch die ersten Häuser mit Reetdach in Süddeutschland. Und das bereits in vorchristlicher Zeit. Bei dem Bedachungsmaterial Reet handelt es sich um Schilf, und das wächst nicht nur an Nord- und Ostsee. Als Naturmaterial hat Reet eine sehr gute Ökobilanz.

Bei Reet, oder eben Schilf, handelt es sich nicht nur um ein Naturmaterial, sondern auch einen nachwachsenden Rohstoff. Trotzdem sollten Sie bei der Auswahl des verwendeten Reets darauf achten, unter welchen Bedingungen das Schilf angebaut wurde.

Dachneueindeckung mit Reet


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Im Herstellungsprozess sind keine Stoffe notwendig, die sich negativ auf die Ökobilanz auswirken. Allerdings kann es sein, dass Düngemittel verwendet wird, was die Ökobilanz negativ beeinflusst. Schilf wächst nahezu überall in Deutschland. Jedoch ist die Nachfrage nach Reet inzwischen so hoch, dass der Naturstoff vielfach aus anderen Ländern importiert wird. Der Transport belastet die Ökobilanz. Die Entsorgung von Reet hingegen ist unproblematisch.

Ökologische Dacheindeckung auf einen Blick

Ökologisches Bauen wird in Deutschland immer wichtiger. Bauherren nehmen einen etwas höheren Preis gerne in Kauf, wenn das verwendete Material besonders umweltfreundlich und nachhaltig ist und eine gute Ökobilanz aufweist. Im konkreten Fall heißt es bei der Wahl des Bedachungsmaterials: Achten Sie zum einen auf die Vorgaben des Bebauungsplanes Ihrer Umgebung. Und lassen Sie sich zum anderen gut beraten, um die ideale Eindeckung für Sie und die Umwelt zu finden.

Jetzt weiterlesen: Eine besondere Form der ökologischen Dacheindeckung ist ein Gründach. Hier finden Sie die Voraussetzungen für eine Dachbegrünung.

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