Angelika Polle-Valder

Regenwasser sammeln und nutzen

Jeder Deutsche verbraucht pro Tag durchschnittlich 122 Liter Wasser. Nur die Hälfte davon muss Trinkwasserqualität besitzen – zum Kochen und zur Körperpflege. Für den Rest reicht Regenwasser. Dabei steigen die Kosten für Wasseraufbereitung, Abwasserkosten und Transport des kostbaren Trinkwassers jedes Jahr und belasten die Umwelt.

Regenwasser sammeln für den Garten

Eine Möglichkeit, kostbares Trinkwasser zu sparen, bietet sich im Garten an: Pflanzen mögen das weiche, kalkarme Regenwasser. Dafür lässt sich der vom Dach fließende Niederschlag durch ein Fallrohr in eine Regentonne leiten. Diese verfügt über ein Fassungsvolumen von durchschnittlich 200 Litern.

Regenwasser sammeln: Ein Holzfass als Regentonne in einem schönen grünen Garten


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Gartenpflanzen mit Regenwasser zu bewässern ist laut Umweltbundesamt hygienisch unbedenklich. Neben der gewöhnlichen Regentonne aus grünem Kunststoff gibt es ansehnliche Modelle, etwa in Steinoptik oder als farbige Säule. Zum einfachen Anschluss an das Regenrohr dienen sogenannte Regensammler, die das Wasser filtern und gleichzeitig für einen Überlaufstopp sorgen, wenn die Tonne voll ist.

Regenwasser sammeln für den Haushalt

Möchten Sie mit Regenwasser nicht nur für den Garten nutzen, sondern auch für die Toilette oder die Waschmaschine, benötigen Sie eine Regenwassernutzungsanlage. Diese aufwendigere Option ersetzt bis zu 50 Prozent des Trinkwassers im Haushalt durch Regenwasser. Ein weiterer Pluspunkt: Das weiche Regenwasser schützt die Waschmaschine vor Kalkablagerungen und Sie benötigen weniger Waschmittel.

Aus welchen Teilen besteht eine Regenwassernutzungsanlage?

Eine Regenwassernutzungsanlage besteht aus einem Wasserspeicher aus Beton oder Kunststoff (Regenwassertank/Zisterne), einem Rohr- und Filtersystem und einer Pumpe. Wer Toilette, Waschmaschine und verschiedene Zapfstellen mit Regenwasser versorgen will, benötigt ein zweites Rohrleitungsnetz. Der Gesetzgeber schreibt vor, Regen- und Trinkwasser in zwei getrennten und deutlich gekennzeichneten Leitungsnetzen zu führen, damit Regenwasser nicht ins öffentliche Trinkwassernetz gelangt.

Regenwasser sammeln: zwei schwarze unterirdische Wassertanks in einer Baugrube


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Das Grundprinzip ist einfach

Regenwasser wird vom Dach aufgefangen, gefiltert und in einem Erdspeicher, auch Zisterne genannt, gesammelt. Diese Speicher gibt es in verschiedenen Größen. Das Wasser fließt mittels einer Pumpe durch das separate Rohrsystem zur Waschmaschine, zum WC oder zur Zapfstelle.

Der dazugehörige Wassertank steht entweder im Keller oder im Garten. Die Größe von Regenwassertank oder Zisterne richtet sich nach dem sogenannten Regenwasserertrag und Regenwasserbedarf.

Regenwasser sammeln: Wie soll das Dach dafür aussehen?

Ideal für den Einbau einer Hausanlage ist ein größeres, schräges Dach, um eine beträchtliche Wassermenge einzufangen. Aufgrund der Neigung läuft das Niederschlagswasser von allein durch die Dachrinnen Richtung Sammelbehälter ab. Als Sammelfläche für Regenwasser eignen sich nur Dacheindeckungen aus Ton, Schiefer oder Beton.

Achtung bei diesen Dächern! Schadstoffe im Material

Wichtig ist, dass das Material keine Schadstoffe, wie beispielsweise Asbest, absondert und möglichst glatt ist. Das Wasser von Zink- und Kupferdächern sowie Dächern mit Teilen aus Blei sollten Sie nicht nutzen. Übrigens auch nicht für Nutzpflanzen im Garten. Von diesen Dächern können gesundheitsschädliche Metallverbindungen abgeschwemmt werden.

Auch bei Dächern mit Teerpappe kann die Bitumenabdichtung Biozide freisetzen. Sehen Sie hier von einer Regenwassergewinnung ab. Ebenso wenig eignen sich Reet-, Stroh- oder Grasdächer für die Regenwassernutzung.

Regenwasser sammeln: ein großer grüner Regenwassertank, der zwischen zwei Häusern steht


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Wie viel Trinkwasser lässt sich durch Regenwasser einsparen?

Das kommt auf die Dachfläche, die Speichergröße und die Niederschlagsmenge an. Von dem Regen, der pro Jahr in Deutschland auf ein 80 Quadratmeter großes Dach prasselt, können vier Personen das ganze Jahr lang Wäsche waschen, Haus und Auto reinigen, die Toilette spülen und einen kleinen Garten pflegen. So lassen sich 40 bis 60 Kubikmeter Trinkwasser durch Regenwasser ersetzen und zwischen 160 und 300 Euro sparen, je nachdem ob für genutztes Regenwasser Abwassergebühren anfallen.

Was kostet eine Regenwassernutzungsanlage?

Die Kosten für die Anschaffung und Wartung einer Regenwassernutzungsanlage sind hoch: Experten raten, dass es sich nur lohnt, wenn man die Regenwassernutzung gleich beim Hausbau einplant. Die Variante im Haus, die auch das WC versorgt, kostet mit Speicher, Rohren, Filter und Pumpen bis zu 5.000 Euro. Bis sich eine Regenwassernutzungsanlage rechnet, vergehen in der Regel mehr als zehn Jahre. Nichtsdestotrotz kann sich die Investition lohnen.

Anmelden beim Wasserversorger und beim Gesundheitsamt

Einige Bundesländer vergeben Zuschüsse und auch viele Gemeinden unterstützen Hausbesitzer mit einer Förderung, was die Wirtschaftlichkeit verbessert. Fragen lohnt sich bei Ihrem örtlichen Bau-, Umwelt- oder Tiefbauamt. Bevor die Anlage zur Regenwassernutzung in Betrieb geht, müssen Sie sie beim Wasserversorger anmelden und dem Gesundheitsamt anzeigen.

Auch ohne Zuschuss müssen die Kosten nicht gegen eine Investition sprechen, denn es gibt weitere Vorteile: Die Nutzung von Regenwasser in der Waschmaschine ist ökologisch von Vorteil. Das weiche Regenwasser spart rund 20 Prozent Waschmittel ein. Bei Starkregen entlasten Regenwassertanks oder Zisternen die Kanalisation und helfen, Überflutungen zu verhindern.

Jetzt weiterlesen: Dachentwässerung – das passende System für Ihr Steildach.

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