Simone Orlik

Welche Schäden drohen bei einer unsachgemäßen Dachsanierung?

Fachmännisch saniert bietet ein Dach Schutz vor Wind und Wetter, senkt Heizkosten und macht das Wohnen schön. Da Arbeiten am Dach allerdings kostspielig sind, legen Eigentümer bei der Dachsanierung gern selbst Hand an oder beauftragen vermeintlich günstige Firmen. Damit geht ein hohes Risiko einher: Bei unsachgemäßer Sanierung drohen Schäden, die zu teuren Nachbesserungen führen.

Ein Drittel Planungsfehler, zwei Drittel Ausführungsmängel

Das Institut für Bauforschung nennt Zahlen: Schäden beim energieeffizienten Bauen und Modernisieren entstehen zu einem Drittel durch eine fehlende oder mangelhafte Planung, zu zwei Dritteln durch die nicht fachgerechte Ausführung der Modernisierung. Viele Gründe, um als Eigentümer genau hinzuschauen.

Drei klassische Schäden einer mangelhaften Dachsanierung

Es gibt eine Vielzahl typischer Schadensbilder rund um das Dach, die bei unsachgemäßer Sanierung auftreten. Einige davon lassen sich vergleichsweise schnell beheben, bei anderen Schäden sind größere Arbeiten nötig. Sofern Sie einen Schaden festgestellt haben, schalten Sie am besten umgehend einen Schadensbegutachter ein. Er begutachtet Ihr Dach gründlich und stellt die unsachgemäße Sanierung fest, sofern es sich um eine solche handelt.

Dachsanierung: ein Handwerker auf einem Dach


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1. Undichte Dachfenster

Die Dachfenster sind nach dem Austausch undicht? Sollte es sich um eine fehlende Abdichtung handeln, lässt sich der Mangel schnell beheben. Tritt allerdings nach der Reparatur das Problem weiter auf, kann die Ursache tiefer liegen und Sie sollten es prüfen lassen. Mögliche Ursachen: Das Dachfenster wurde nicht korrekt eingebaut, es liegt eine unsachgemäß angebrachte Dampfsperre vor oder die Dachneigung wurde fehlerhaft berechnet.

2. Schäden am Dachstuhl

Sie bemerken einen muffigen Geruch im Dachgeschoss? Womöglich ist der Dachstuhl betroffen. Die Ursache kann sowohl in einer unsachgemäßen Dachsanierung von außen als auch von innen liegen. Ist zum Beispiel die Dampfbremsfolie an Fenstern, Schornsteinen oder Gauben nicht korrekt verarbeitet, kann Kondenswasser in die Dämmung eindringen und für Feuchtigkeit, Schimmel oder Hausschwamm sorgen. Profis erkennen mithilfe von Blower-Door-Tests oder Wärmebildkameras die Schwachstellen.

3. Schäden am Flachdach

Schäden an einem Flachdach können vielfältiger Natur sein. Tatsache ist: Die Abdichtung ist deutlich komplexer als bei einem Satteldach. Dazu sind die Schäden mitunter nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Lassen Sie in einem solchen Fall unbedingt einen neutralen Sachverständigen den Schaden prüfen.

Unser Tipp, sofern Ihnen die Flachdachsanierung noch bevorsteht: Beauftragen Sie nur solche Dachdecker, die eine ausgewiesene Erfahrung am Flachdach haben. Im Zweifel lassen Sie sich Referenzen zeigen oder holen Informationen bei der Handwerkskammer Ihres Bundeslandes ein.

Schimmel und Feuchteschäden

Nicht immer sind Schäden nach einer Dachsanierung bei der beauftragten Firma selbst zu suchen. Wer sein Dach dämmt, erlebt mitunter eine erhöhte Kondenswasserbildung an Fenstern oder Wänden, die sogar eine Schimmelbildung nach sich ziehen kann. Grund dafür ist der zu geringe Luftaustausch im Haus, der sich nach der Dachsanierung eingestellt hat.

Dachsanierungsschäden wie hier ein Fenster mit Kondenswasser sind ärgerlich


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Denn das gedämmte Dach führt zu einer erhöhten Luftdichtigkeit im gesamten Gebäude. Konnte die Luft durch das ehemals luftdurchlässige Dach entweichen, erhöht sich nun der Feuchtigkeitsgehalt im Haus – und zwar ohne Ausweichmöglichkeit nach oben. Zusätzliche Dreifachverglasungen an Fenstern und eine gedämmte Fassade erhöhen das Risiko noch weiter. Dann lautet die Maßnahme: Lüften – und zwar am besten mit einer automatisierten Anlage.

Kleiner Exkurs: Lüftungssysteme planen

Wer ein Dach oder das gesamte Wohnhaus dämmt, sollte ein Lüftungssystem im Gebäude integrieren. Maßgeblich ist hier die DIN 1946-6: Sie enthält alle Regelungen und Maßnahmen zur Lüftung von Wohngebäuden.

Beim Lüftungssystem sind verschiedene Varianten möglich. Die Fensterfalzlüftung ist die kostengünstigste Lösung: Durch Lüftungsschlitze im Fensterrahmen, die sich an parallel zueinander liegenden Gebäudeseiten befinden, erfolgt der notwendige Luftaustausch. Die jeweilige Windrichtung gibt dabei die Zuluft- und die Abluftseite vor. Nachteil: Auf das System hat man keinen Einfluss. Gerade im Winter wird Warmluft nach draußen abgeführt, was zu höheren Heizkosten führen kann.

Permanenter Luftaustausch, konstante Raumtemperatur

Auch durch Ventilatoren lässt sich eine dezentrale Lüftungsanlage einrichten. Die Lüfter finden ebenfalls an den gegenüberliegenden Außenwänden Platz und dienen der Zu- und Abluft, die in Intervallen wechselt. Technisch gut gelöst: Die Wärme aus dem Innenraum wird zusammen mit der Abluft in einen Keramik- oder Aluminiumkern geführt und mit der Zuluft zurück in den Raum geleitet.

Am hochwertigsten ist ein zentrales Lüftungssystem im Haus, das im Rahmen der Planung in Zu- oder Ablufträume aufgeteilt wird. Ein Luftkanalsystem entzieht den Ablufträumen die verbrauchte Luft und führt Frischluft in die Zulufträume. Trotz des permanenten Luftaustausches ermöglicht die Technik hinter dem System, dass die Raumtemperatur konstant ist.

Unsachgemäße Dachsanierung: nicht nur finanzieller Schaden

Bei unsachgemäßer Sanierung droht Eigentümern deutlich mehr als ein finanzielles Desaster. Eindringende Feuchtigkeit, Stockflecken oder sogar Schimmel beeinträchtigen Bausubstanz, Wohnkomfort und Gesundheit. Nur wenige Maßnahmen am Dach lassen sich vom Heimwerker selbst ausführen. Bei der großen Dachsanierung oder dem Einbau von Fenstern ist die Beauftragung von Profis gut investiertes Geld.

Die Sanierung Ihres Daches steht bevor? Wie Sie das Projekt richtig angehen, erfahren Sie im Artikel "Die Planung und Durchführung einer energetischen Dachsanierung".

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