Simone Orlik

Das Schieferdach: natürlich schön und äußerst robust

Sie sind auf der Suche nach einer exklusiven Dacheindeckung, die dazu besonders natürlich ist? Dann ist womöglich ein Schieferdach etwas für Sie. Bei Schiefer handelt es sich um ein reines Naturprodukt, das vor vielen Millionen Jahren entstanden ist – eigentlich aus einem Zufall heraus. Umso glücklicher dürfen wir uns schätzen, dass es in Form eines Werkstoffs Dächer, Hausgiebel und selbst Fassaden schmückt.

Baustoff Schiefer: Ein Zufall der Natur

Zwischen 350 und 400 Millionen Jahre ist das Sedimentgestein Schiefer alt, das aus Materialien wie Quarz, Chlorit und Sericit besteht. Seinen Ursprung hat Schiefer auf dem urzeitlichen Meeresboden. Feinkörniger Tonschlamm wurde hier mit anderen Materialien zusammengepresst und durch die spätere Gebirgsbildung aus dem Meer seitlich aufgefaltet. Weil sich in jeder Lagerstätte unterschiedliche Ausgangsmaterialien befinden und tektonische Vorgänge individuell verlaufen, entstanden unzählige Schieferarten.

Schieferdach: zwei Fachwerkhäuser mit Schieferdach


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Für Fassaden und Giebel kommt heute vor allem blaugrauer Tonschiefer zum Einsatz. Große Abbaugebiete im Tage- und Untertagebau sind das Rheinische Schiefergebirge, die Eifel, das Sauerland und Thüringen.

Konstruktion: So entsteht ein Schieferdach

Schiefer wird von Hand geschlagen und im Nachgang bearbeitet. Die Schieferplatten werden überlappend mit feuerverzinkten Schiefernägeln, Edelstahlstiften oder Kupfernägeln geklammert oder genagelt. Wichtige Voraussetzung: Eine Unterkonstruktion, die in der Regel aus einer Vollschalung aus Holz besteht.

Schieferdächer und -fassaden sind immer einzigartig. Die zufällige Struktur des Gesteins, der seidige Glanz und unzählige Formate und Verlegemöglichkeiten machen das möglich. Heute sind rund 250 Schieferformate erhältlich. Dazu kennt die Branche verschiedenste Deckarten, also Muster für das Dach.

Schieferdach: ein Dachdecker mit Schieferhammer bearbeitet einen Schieferstein


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Vorteile des Schieferdaches

Schiefer ist eines der älteren, ja traditionelleren Materialien zur Dacheindeckung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es jedoch von den industriell hergestellten und günstigeren Dachpfannen verdrängt. Seit den 1980er-Jahren allerdings erleben Schieferdächer ein Comeback. Das hat nicht zuletzt mit der hervorragenden Ökobilanz zu tun: Während industriell gefertigte Dachprodukte aus mineralischen und nicht-mineralischen Materialien bestehen und durch Bindemittel verbunden sind, ist Schiefer ein reines Naturprodukt.

Auch die Lebensdauer, die von Fachleuten mit bis zu 100 Jahren angegeben wird, ist ein starkes Argument für Bauherren. Zum Vergleich: Beton- oder Tonziegel halten zwischen 40 und 60 Jahren, bevor größere Reparaturarbeiten anfallen. Weil der Dachdecker jede Schieferplatte direkt auf der Holzkonstruktion befestigt, hält das Dach auch großen Stürmen stand.

Welche Dachneigung ist beim Schieferdach möglich?

Damit der Dachdecker ein Schieferdach umsetzen kann, muss der Fachmann zunächst die Dachneigung überprüfen. Sie ist das A und O, damit Regenwasser zuverlässig abfließt. Grundsätzlich gilt: Je steiler ein Dach, umso besser leitet es Regenwasser ab. Die Regeldachneigung beim Schieferdach hängt vor allem mit den unterschiedlichen Verlegearten zusammen und liegt üblicherweise zwischen 20 und 30 Grad.

Schieferdach: ein Haus mit altdeutscher Deckung


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Haltbarkeit und Pflege eines Schieferdaches

Ein Schieferdach hat eine Lebensdauer von rund 100 Jahren – regelmäßige Pflege vorausgesetzt. Idealerweise sollten Sie ein Schieferdach alle zwei Jahre warten lassen. So lassen sich kleinere Schäden, die zu Feuchtigkeit führen könnten, früh erkennen. Zum Beispiel Risse in der Schieferplatte. Defekte Platten tauscht der Dachdecker ohne größeren Aufwand aus.

Auch auf Schmutz und die Bildung von Moosen sollten Sie achten. Durch sein natürliches Material ist Schiefer zwar weniger anfällig für Moose, aber gerade auf der Wetterseite des Hauses können diese trotzdem wachsen und eine Patina bilden.

Was kostet das Schieferdach?

Im Vergleich zu andere Dacheindeckungen müssen Sie beim Schieferdach tiefer in die Tasche greifen. Während eine einfache Dacheindeckung wie Dachziegel zwischen 25 Euro und 50 Euro pro Quadratmeter kostet, müssen Sie für ein Schieferdach bis zu 90 Euro und mehr einplanen. Tipp: Kalkulieren Sie in jedem Fall mögliche Vorarbeiten wie Bauvorbereitung, Statik oder die Entsorgung des Altmaterials mit ein, um Kostenfallen zu vermeiden.

Auf Schiefer spezialisierte Dachdeckerbetriebe

Wer sich für eine Dach- oder Giebeleindeckung mit Schiefer entscheidet, sollte die Arbeiten von einem Fachbetrieb umsetzen lassen, der auf Schiefer spezialisiert ist. Am besten holen Sie nach Möglichkeit drei unabhängige Angebote ein. Lassen Sie sich vom Dachdecker in jedem Fall Referenzobjekte zeigen. Die sollten überzeugen und am besten direkt als Inspirationsquelle dienen.

Inspiration gesucht? Mit diesen Deckarten, -mustern und Ornamenten lassen sich Schieferdächer gestalten.

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