Nicole Ziese

Die typischen Schwachstellen am Steildach

Das Dach ist nicht nur der „krönende“ Abschluss eines Hauses. Es schützt die gesamte bauliche Struktur sowie die Bewohner und deren Hausrat vor den Einflüssen der Elemente. Starkwinde, Niederschläge, Schneelasten und auch die Sonneneinstrahlung sind ein Härtetest für das Dach und können dauerhafte Schäden verursachen. Auch eine nicht fachgerechte Konstruktion oder eine unsachgemäße Sanierung führen zu Mängeln.

Begriffsdefinition: Was ist ein Steildach?

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Dachformen: Flachdächer und Steildächer. Von einem Steildach spricht man immer dann, wenn eine oder mehrere Dachflächen mit einer Neigung von mindestens 20 Grad vorliegen. Dementsprechend handelt es sich bei dem Begriff Steildach um einen Oberbegriff. Zu den gängigsten Formen von Steildächern zählen: Satteldach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Schleppdach, Pultdach, Tonnendach und Sheddach.

Schwachstellen am Steildach: ein in die Jahre gekommener Dachfirst mit roten Ziegeln


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Schwachstellen am Steildach

Allen Steildächern gemeinsam ist, dass sie spezifische Schwachstellen haben. An diesen Stellen kann es zu Undichtigkeiten kommen. Zu den Ursachen zählen Fehler bei Planung und Bau des Daches, Schäden durch Witterungseinflüsse sowie eine fehlerhafte Sanierung des Daches oder Schäden beim Innenausbau. Auch Beschädigungen durch Ein- und Anbauten sind möglich, beispielsweise durch die Befestigung einer Satellitenschüssel auf dem Dach oder durch den Einbau einer Duschwand im Dachgeschoss.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Stellen am Steildach anfällig für Schäden sind.

Der Dachstuhl: Probleme an der tragenden Konstruktion

Der Dachstuhl ist die tragende Konstruktion, die als Unterkonstruktion für Dämmung und Dachaußenhaut dient. Probleme mit dem Dachstuhl können einerseits auftreten, wenn er falsch geplant, die Errichtung mangelhaft ausgeführt oder mit mangelhaften Materialien durchgeführt wurde. Besitzt der Dachstuhl beispielsweise eine zu geringe Stabilität für die gewählte Dacheindeckung, kann er einsacken oder sogar einbrechen – nicht nur für das Dach eine Gefahr, sondern für das gesamte Haus und seine Bewohner.

Typische Schwachstellen am Steildach: Der Dachstuhl eines Neubaus wird errichtet


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Weiter verbreitet sind Fälle, in denen ein Schaden am Dachstuhl ein Folgeschaden ist, der durch andere Schwachstellen am Haus entsteht. Ursachen für einen solchen Folgeschaden können sein: eine schadhafte Dacheindeckung, Schäden an der Dampfbremse, Schäden an der Dämmung sowie Schädlingsbefall, etwa durch Holzwürmer.

Die Dacheindeckung: die Außenhaut des Daches

Für die Dacheindeckung kommen viele Materialien infrage. Die Palette reicht von Bitumenschindeln über Tonziegel bis zu Blechen und Schiefer. Die Dacheindeckungen haben verschiedene Eigenschaften und damit unterschiedliche Lebenserwartungen. Doch auch die Bedachungsmaterialien mit der höchsten Lebenserwartung müssen nach spätestens 100 Jahren erneuert werden.

Schwachstellen am Steildach: Eine Modelldarstellung der Dachschichten vom Innenausbau bis zur Dacheindeckung


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Bereits zuvor ist es jedoch wichtig, die Dacheindeckung regelmäßig auf Schäden zu untersuchen. Denn durch Hagel, Temperaturunterschiede oder Sturm kann es zu Undichtigkeiten kommen. Gelangt dann Feuchtigkeit ins Innere, leidet die Dämmung oder sogar der Dachstuhl.

Dachkehle und First: die sensiblen "Nahtstellen" des Daches

Kompliziert wird es immer dort, wo Dachflächen aufeinandertreffen. Beim klassischen Satteldach ist dies zum Beispiel der Dachfirst, die obere Kante des Daches, an der die beiden Dachflächen zusammenlaufen. Bei einer Dachkehle handelt es sich um die „Nahtstelle“ zweier Dachflächen bei einer verwinkelten Dachform, siehe Bild. An der Kehle läuft besonders viel Wasser herab.

Typische Schwachstellen am Steildach: ein Haus mit dunkel gedecktem Dach


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Solche Anschlussstellen zwischen zwei Dachflächen sind prädestiniert dafür, dass Undichtigkeiten auftreten. Hinzu kommt, dass diese Bereiche des Daches schwer zugänglich sind. Schadhafte Stellen fallen also nur dann frühzeitig auf, wenn Fachleute das Dach regelmäßig warten.

Übergänge: Abdichtungen an Dachfenstern, Gauben, Schornsteinen

Bei dieser Art von Schwachstellen am Dach gilt ähnliches wie bei First und Kehle: Überall dort, wo die Dachfläche unterbrochen wird und auf andere Flächen trifft, müssen die Übergänge wasserdicht sein. Hierzu gehören die Übergänge von der Dachfläche zum Schornstein, zu Gauben und zu Dachfenstern. Darum sollte gerade der Einbau von Dachfenstern und Gauben durch Fachleute erfolgen. Neben den äußeren Anschlüssen kann es zu Undichtigkeiten im Bereich von Dämmung und Dampfbremse kommen.

Typische Schwachstellen am Steildach: ein noch nicht eingedecktes neues Dach mit drei Dachsfenstern


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Die Dampfbremse: Fehler an der feuchtigkeitsregulierenden Schicht

Bei der Dampfbremse, auch: Dampfsperre, handelt es sich um eine Schicht im Inneren der Dachkonstruktion. Sie soll verhindern, dass Feuchtigkeit aus dem Rauminneren in den Bereich der Dachkonstruktion, insbesondere der Dämmung, gelangt. Schäden an der Dampfbremse können bereits beim Einbau entstehen.

Auch später kann es zu Schäden kommen: Beispielsweise wenn beim Befestigen von Spiegeln, Duschwänden oder ähnlichem im Dachgeschoss Löcher in die Außenwand gebohrt werden und dabei die Dampfbremse verletzt wird.

Regenrinne und Fallrohr: Vermeiden Sie Wasserstau

Das Entwässerungssystem umfasst beim Steildach primär Regenrinnen und Fallrohre. Auch hier können Probleme auftreten: Bei einer fehlerhaften Planung oder Ausführung – etwa wenn das Gefälle der Regenrinne zu gering gewählt wurde – staut sich das Wasser. Oder Laub, Zweige und Pflanzenwuchs verstopfen die Rinne und das Fallrohr.

Typische Schwachstellen am Steildach: Eine kaputte Regenrinne aus Blech, aus der Wasser läuft


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Staut sich das Wasser in der Regenrinne, kann es im schlimmsten Fall unter die Dacheindeckung gedrückt werden. Dann gelangt es ins Innere des Daches und beschädigt dort Dämmung, Dachstuhl und gegebenenfalls auch die innenliegenden Räume. Lassen Sie Ihr Entwässerungssystem darum regelmäßig überprüfen und reinigen.

Schädlinge: wenn ungebetene Gäste am Dach wüten

Die Dämmung sorgt dafür, dass Kälte und Hitze draußen bleiben. Außerdem trägt sie dazu bei, dass Heizungswärme nicht einfach durch die Dachflächen entweicht. Es gibt eine große Bandbreite an Dämmstoffen.

Vor allem Dämmstoffe auf natürlicher Basis sind anfällig dafür, dass sich Schädlinge einnisten. Schädlingsbefall kann zu massiven Schäden am gesamten Dach führen. Denn Tiere wie Waschbär, Marder und Co. machen selten Halt vor Dampfbremsen und Dachsparren. Zudem lösen sie oftmals Dachziegel, um sich einen Ein- und Ausgang zu schaffen. An diesen Stellen kann dann Feuchtigkeit ins Innere des Daches gelangen.

Typische Schwachstellen am Steildach: ein Waschbär liegt auf einem Dachfirst


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Im Inneren nutzen Schädlinge oftmals Teile der Dämmung, um Nester zu bauen oder einfach als Spielzeug. Im Laufe der Zeit kann es dann auch zu Schäden an der Dampfbremse kommen. Machen sich die ungebetenen Gäste an elektrischen Kabeln zu schaffen, kann es sogar zu einem Brand kommen.

Lassen Sie regelmäßig Ihr Dach checken

Auch beim Dach gilt: Vorsorge ist besser und günstiger als Nachsorge. Im Laufe der Zeit entstehen durch Wettereinflüsse Schäden am Dach. Anfangs sind sie meist noch klein und haben kaum Auswirkungen auf die Gesamtstruktur des Hauses beziehungsweise die Wohnqualität. Nach und nach können jedoch massive Schäden entstehen. Diese zu beheben ist dann, im Gegensatz zur Beseitigung der kleinen anfänglichen Schäden, deutlich kostspieliger. Nutzen Sie darum den Service eines Fachbetriebes für eine regelmäßige Dachwartung.

Jetzt weiterlesen: Welche Schäden drohen bei unsachgemäßer Sanierung?

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