Nicole Ziese

Tageslichtspots: Innere Erleuchtung durch den Lichtkanal

Tageslicht verleiht einem Raum eine wohnliche Atmosphäre. Zudem beeinflusst es nachweislich die Gesundheit und das Wohlbefinden auf positive Weise. Doch nicht alle Räume lassen sich über Fenster mit Sonnenlicht versorgen. Für diese sind Tageslichtspots eine echte Alternative, zumal der Einbau sowohl in Flachdächern als auch Steildächern möglich ist.

Wie funktionieren Tageslichtspots?

Eine australische Firma erfand in den 1980er Jahren Lichtleitsysteme. Inzwischen sind sie auch in Europa weit verbreitet. Mehrere Hersteller bieten Lösungen an, mit verschiedenen Bezeichnungen: Zu den geläufigsten gehören Tageslichtspots, Sonnentunnel, Rohrdachfenster, Lichtröhre und Lichtkamin.

Der Lichtsammler eines Tageslichtspots auf einem Dach


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Allen Lichtleitsystemen liegt dasselbe Funktionsprinzip zugrunde. Es gilt sowohl für Systeme, die in Flachdächer eingebaut werden, als auch für solche, die man für Steildächer verwendet. Ein Lichtleitsystem besteht aus drei Elementen: dem Lichtsammler, dem Lichtleiter und dem Lichtverteiler.

Das äußere Element: Der Lichtsammler

Der Lichtsammler wird in das Dach oder in die Außenwand eingebaut. Hierbei handelt es sich entweder um eine Kuppel aus Acrylglas oder eine Sicherheitsglasscheibe. Dieses Element fängt das Sonnenlicht ein, das über das Lichtleitsystem ins Innere des Hauses gelangt. Wichtig ist, dass der Lichtsammler sauber ist, da er sonst nicht seine volle Leistungsfähigkeit entfaltet. Je nach Material und Verarbeitung sind Lichtsammler sogar selbstreinigend.

Das verbindende Element: Der Lichtleiter

Der Lichtleiter trägt auch den Namen Hohllichtleiter oder optische Röhre. Es handelt sich um das Element, welches das Licht ins Innere des Hauses weiterleitet. Lichtleiter müssen nicht gerade verlegt sein, sie können auch Winkel beschreiben. Mit einem Lichtleiter lassen sich Distanzen von sechs bis neun Metern überwinden.

Das Innere des Lichtleiters ist mit einem hochreflektierenden Material ausgekleidet, damit der Lichtverlust möglichst gering ausfällt. Das Licht spiegelt sich mehrfach auf seinem Weg durch den „Lichtkanal“. Je länger ein Lichtleiter ist und je mehr Winkel er hat, desto mehr Intensität verliert das Licht.

Tageslichtspots in der schematischen Darstellung
Ein von einem Tageslichtspot erleuchteter begehbarer Kleiderschrank


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Grundsätzlich gibt es zwei Systeme: Lichtleiter aus starren Rohren einerseits, schlauchartige Lichtleiter andererseits. Die Schlauchsysteme haben den Vorteil, dass sie leichter zu montieren sind, wohingegen bei den starren Rohrsystemen der Lichtverlust geringer ist.

Das innere Element: Der Lichtverteiler

Der Lichtverteiler stellt eine Streulinse dar, die das gesammelte Tageslicht im Raum verteilt. Meist wird der Lichtverteiler bündig in die Decke eingebaut, also wie ein Spotlight. Möglich ist aber auch, den Lichtverteiler wie eine Deckenlampe erscheinen zu lassen.

Worauf ist bei der Montage zu achten?

Bei der Montage eines Tageslichtspots öffnet der Fachmann die Außenhaut des Hauses. Eine fehlerhafte Montage kann zur Folge haben, dass Feuchtigkeit ins Dach eindringt und zu Schäden führt. Überlassen Sie den Einbau von Tageslichtspots daher einem Fachbetrieb, also einem Dachdecker, Zimmerer oder Fensterbaubetrieb. Zum Teil haben die Hersteller eigene Fachleute, die den Einbau übernehmen.

Ein Tageslichtspot in einem dunklen Dach


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Wichtig ist eine sorgfältige Planung: Dies betrifft einerseits die Stelle, an welcher der Lichtsammler montiert wird, andererseits den Durchmesser des Lichtleitsystems und die Anzahl der Lichtkamine. In privaten Wohnhäusern kommen meist Lichtkamine mit einem Durchmesser von 30 bis 40 Zentimetern zum Einsatz. Optimal ist der Einbau von zwei Lichtkaminen pro Raum. Auf diese Weise können Sie Schlaglichteffekte vermeiden.

Lichtertrag: Wie viel Helligkeit bringen Tageslichtspots?

Der Lichtertrag eines Tageslichtspots hängt von vielen Faktoren ab. Zu den wichtigsten zählen:

  • die Raumgröße und Gestaltung des Raumes (Farbe von Wänden und Boden)
  • der Winkel der Lichteintrittsfläche: eine geneigte Lichteintrittsfläche ist besser als eine waagerechte Lichteintrittsfläche
  • die Dachausrichtung: optimalerweise zur Südseite
  • die Verschattung durch andere Gebäude oder Bäume
  • die Länge und Anzahl der Winkel des Lichtkamins
  • der Durchmesser des Lichtleitsystems

Für welche Räume eignen sich Tageslichtspots?

Vor allem ältere Stadt- und Wohnhäuser sowie Gebäude, die nachträglich erweitert wurden, besitzen Räume ohne Fenster. Wenn diese im Inneren des Bauwerks liegen, lassen sich keine nachträglichen Fenster oder Oberlichter einbauen. Handelt es sich bei diesen Räumen um Bereiche, die regelmäßig genutzt werden, bieten Tageslichtspots einen echten Mehrwert. Der Einbau eines Lichtleitsystems eignet sich vor allem für:

  • Wohnräume, die durch eine Wohnraumerweiterung ihre Fensterfront eingebüßt haben
  • Küchenzeilen
  • Bäder
  • Flure
  • Ankleiden
  • Hauswirtschaftsräume

Pro und Contra: Wann eignet sich ein Lichtleitsystem?

Lichtleitsysteme sind manchmal die einzige Möglichkeit, Tageslicht in innenliegende Räume zu bringen. Als Bauherr sollten Sie stets eine Kosten-Nutzen-Betrachtung machen. Müssen Sie lange Strecken überbrücken, so ist der Einbau nur dann sinnvoll, wenn er im Rahmen einer Sanierung oder Renovierung geschieht.

Tageslichtspots auf einen Blick

Tageslichtspots bringen die Sonne in innenliegende Räume. Sie lassen sich gut einbauen, auch nachträglich – nicht nur in Flachdächern, sondern auch in Steildächern. Nur wenn eine größere Strecke bis zum betreffenden Raum überbrückt werden muss, lohnt der Aufwand eher nicht. Je nach den Bedingungen vor Ort kann die Lichtausbeute der verschiedenen Lichtleitsysteme stark variieren.

Jetzt weiterlesen: Dachfenster – Diese Varianten gibt es.

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