Christoph Bertram

„Bauherren müssen mutig sein“ – Architekt Thomas Kröger erschafft Häuser voller Charakter

DachDirekt: Herr Kröger, Ihre Projekte wie das backsteinfarbene Haus am Deich oder das sogenannte Schwarze Haus zeichnen sich durch beeindruckende Dachkonstruktionen aus. Warum dominieren bei Ihnen die Dächer so?

Thomas Kröger: Es ist immer ein kontextueller Bezug, das heißt, wir schauen, was es in der unmittelbaren Umgebung gibt. Gerade im ländlichen Raum sind die Gebäude über ihre Dächer geprägt, das Haus am Deich etwa ist aus der Typologie der ostfriesischen Gulfhäuser entstanden. Das sind Eindachhöfe, bei denen sowohl der Bauer als auch das Vieh und die Ernte unter einem großen Zelt wohnten beziehungsweise gelagert wurden. Es sind teilweise sehr große Bauten. Wir haben das Konzept in ein Taschenformat für ein Einfamilienhaus übersetzt.

Das Haus am Deich in Ostfriesland

Thomas Kröger Architekt: das Haus am Deich aus der Ferne gesehen - ein roter Farbtupfer in grüner Landschaft
Thomas Kröger Architekt: das Haus am Deich
Thomas Kröger Architekt: das Haus am Deich mit seiner Umgebung
Thomas Kröger Architekt: Detailansicht des Giebels vom Haus am Deich
Thomas Kröger Architekt: die schwarz-weiß gemusterte Tür des Hauses am Deich
Thomas Kröger Architekt: im Inneren des Hauses am Deich mit Blick durch das runde Fenster


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Das Haus beeindruckt auch durch seine einheitliche Farbgebung.

Ja, die Dachziegel, die Dachpfannen sollten die gleiche Farbigkeit aufweisen wie die Ziegelsteine der Fassade. Wir haben in diesem Fall zuerst die Pfanne gesucht und dann den Ziegel bei einer lokalen Ziegelbrennerei in der Farbe brennen lassen. Dadurch ist ein monolithischer Gesamteindruck entstanden.

Und was war die Idee beim Schwarzen Haus in der Uckermark?

In der Nachbarschaft befinden sich recht einfache Siedlerhäuser von 1948, die das Umfeld prägen. Wir wollten auch so eine einfache Sprache finden. Und dann wird der Kontext aber immer mit etwas angereichert. Hier haben wir uns von den texanischen Barns, den Scheunen im Süden der USA inspirieren lassen. Bei ihnen findet man oft Lüftungshauben auf den Dächern – derartig haben wir beim Schwarzen Haus die Gauben und Schornsteine gesetzt. Dadurch bekommt das Gebäude sein besonderes Gesicht.

Das Schwarze Haus in der Uckermark

Thomas Kröger Architekt: das Schwarze Haus in der Uckermark
Thomas Kröger Architekt: das Schwarze Haus in der Uckermark gelegen
Thomas Kröger Architekt: das Schwarze Haus in der Uckermark in der Entstehung
Thomas Kröger Architekt: das Schwarze Haus in der Uckermark von innen gesehen


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Beide Häuser sind alles andere als typisch dafür, wie zurzeit Einfamilienhäuser gebaut werden. Wie betrachten Sie die aktuelle Architektur in diesem Bereich?

Ich habe enormes Glück, so tolle, experimentierfreudige Bauherren zu haben. Es ist ein großes Interesse da, eine große Lust, sich überraschen zu lassen, um möglicherweise auch eine kritische Auseinandersetzung mit der regionalen Architektur zu führen. Ansonsten, finde ich, gleichen sich die Bauweisen immer mehr an. Auch die Zersiedelung von Flächen sehe ich problematisch. Ich glaube, dass man gut daran täte, Ortskerne dichter zu gestalten, als immer mehr Gebiete zu erschließen.

Wie sieht Ihr Gegenentwurf aus?

Wir sind eher dabei, Siedlungen zu verdichten und Mehrfamilienhäuser zu entwickeln, die nicht unbedingt den Standard mit sich bringen. Das heißt aber nicht, dass sie unerschwinglich sein sollen. Was wir im privaten Sektor gelernt haben: mit dem Gut des Raumes umzugehen. Nicht jedes Element muss durchdesignt sein, sondern wir müssen einen Raumwert schaffen. Das geht, auch mit vergleichsweise wenig Geld.

Das müssen Sie erläutern: Wie schafft man Raumwert?

Das Haus am Deich ist beispielsweise recht simpel gestrickt, aber wir haben trotzdem einen sehr großen Wohnraum kreiert, der über drei Etagen geht. Als die Bauherren den ersten Entwurf sahen, konnten sie sich überhaupt nicht vorstellen, dass Wohnen so funktionieren kann. Doch am Ende fanden sie es klasse und das Projekt hat unheimlich viel Spaß gemacht.

Sie haben Ihr Büro in Berlin. Das muss ein großer architektonischer Kontrast sein, wenn Sie dann von Ihren Bauten auf dem Lande in die Stadt zurückkehren.

Ja, Berlin ist maßgeblich durch Flachdächer geprägt. Das war aber nicht immer so. Die Stadt war historisch recht opulent mit Dachwerk ausgestattet. Auf den Altbauten befinden sich jedoch aufgrund der Brände und Schäden der Kriegszeit zum Großteil Notdächer.

Zur Person: Thomas Kröger

Porträtbild von Thomas Kröger, Architekt


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Haben Sie ein Lieblingsmaterial unter den Bedachungen?

Es kommt auf das Dach an. Wenn man zum Beispiel ein Sparrendach errichtet, bei dem die Sparren nicht orthogonal zum First verlaufen, sondern wie bei einem Regenschirm oben zusammenlaufen, würde ich Blech großartig finden. Es lässt sich toll gestalten und man kann das Schirmmuster weiterführen. Ich finde aber auch Tondächer großartig. Die Wahl sollte immer auf ein Material fallen, dass sich bestmöglich in seinen Umraum einfügt. Dann können es auch Steindächer sein oder wie beim Schwarzen Haus eine Teerschindel.

Welches Material haben Sie beim Pavillon am See, ebenfalls in der Uckermark gelegen, verwendet?

Es ist Blech, eine Schindel aus Rohaluminium. Beim Pavillon stand das Thema des Folly im Vordergrund. Im englischen Gartenbau gehörte früher ein Folly, also ein ungewöhnlicher Zierbau, zum Park eines Guthauses. Unser Pavillon liegt relativ abgelegen an einem See und er ist vom Wasser her zu sehen. Da durften wir kein schweres Haus hinsetzen, fand ich, es sollte eine Leichtigkeit haben. Und die Aluschindel reflektiert die Stimmung des Himmels extrem gut.

Der Pavillon am See

Thomas Kröger Architekt: der Pavillon am See in der Uckermark aus der Nähe
Thomas Kröger Architekt: der Pavillon am See in der Uckermark
Thomas Kröger Architekten: der Pavillon am See in der Uckermark aus der Ferne
Thomas Kröger Architekt: Im Inneren des Pavillons am See in der Uckermark
Thomas Kröger Architekt: der Pavillon am See in der Uckermark bei Nacht


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Bei diesem Projekt lässt sich erahnen, dass Sie Ihre Inspirationen von Ihren Reisen mitbringen. Es hat ja etwas Japanisches.

Ja, ich reise viel. Mein Reisearchiv, eine Sammlung von Fotografien, spielt eine große Rolle, nicht nur beim Dach. Auch bei der ganzen Ausgestaltung, der Begleitung des Entwurfes und was dort einfließt.

Sie hatten es schon angesprochen: Ihre Bauherren müssen bereit sein, sich auf Neues einzulassen. Was braucht es ganz allgemein, damit es klappt zwischen Architekt und privatem Bauherren?

Bauherren müssen mutig sein, offen und neugierig auf Überraschungen. Darum brauchen Bauherren Transparenz, ich muss sie mitnehmen in die Diskussion. Es gibt nicht den Bauherren, sie sind alle unterschiedlich. Wenn sie zu einem Architekten gehen, möchten sie etwas Maßgeschneidertes. Maßgeschneidert auf Person und Ort.

Und wie ist es mit dem Dritten im Bunde, wenn es um das Dach geht? Sprich: Wie findet man einen guten Dachdecker?

Ich glaube, das ist zum einen ein gewisses Gespür. Zum anderen braucht es die Auseinandersetzung mit dem Gewerk selbst und die Frage lautet, ob man den Dachdecker für das Vorhaben begeistern kann. Aber im Grunde ist es wie bei jedem Handwerk immer eine Gemengelage: Alle müssen Lust haben, miteinander zu arbeiten, und der Preis spielt eine Rolle, da er ja vor dem Bauherren gerechtfertigt werden muss. Wichtig ist vor allem, dass gegenseitiges Vertrauen entsteht.

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