Angelika Polle-Valder

Das Tonnendach: Ein wahrer Eyecatcher

Es zählt zu den ältesten Dachformen der Welt: das Tonnendach. Verwendet wurde es bereits einige tausend Jahr vor Christi Geburt. Den Einzug in die Welt der Wohngebäude gelang dem Tonnendach allerdings erst in den 1920er-Jahren, vor allem durch den Einsatz von Stahlkonstruktionen und neuen, klaren Gebäudeformen. Heute sieht man die markante Rundform beispielsweise bei Einkaufszentren und Industriegebäuden, bei individuell geplanten Wohnhäusern, Gartenhäusern, Carports oder Terrassenüberdachungen.

Ein Tonnendach erkennt jeder

Tonnendächer tragen ihren Namen aus gutem Grund: Die Form erinnert an eine auf der Seite liegende Tonne, die einmal in der Mitte halbiert wurde. Dementsprechend sieht der Querschnitt dieser ausgefallenen Dachform aus wie ein Halbkreis. Einen sichtbaren Dachfirst gibt es nicht. Das Tonnendach wird auch Rundbogendach genannt.

Tonnendach: ein Metallbogendach auf einem Mehrfamilienhaus


Foto:

Besteht die Konstruktion nur aus einem Kreissegment, so ergibt sich eine flachere, elegante Dachform. Experten nennen dies ein Bogendach. Der Ausschnitt des Kreises kann dabei so klein sein beziehungsweise die Krümmung so gering, dass beinahe ein Flachdach entsteht. Eine Sonderform des Tonnendaches ist das Spitztonnendach. Sie erkennen es an der ovalen Wölbung mit spitz zulaufenden Dachflächen.

So ist ein Tonnendach aufgebaut

Die Wölbung des Daches verteilt dessen Gewicht gleichmäßig auf die Außenwände. Radial gekrümmte Bogenträger aus Stahl oder Holz tragen das Dach. Aussteifende Querverbindungen zwischen den Trägern sind häufig als Spannkreuz („Andreaskreuz") ausgeführt. Durch die Krümmung der Dachfläche sind Zwischensparrendämmmungen und Verkleidungen der Untersicht zwar möglich, aber meist extrem aufwendig und teuer.

Welche Dacheindeckung passt?

Als Bedachungsmaterial dient häufig Metall: Zur Eindeckung von Tonnendächern verwenden Dachdecker oft Kupfer, Titanzink oder Edelstahl. Dachziegel sind für stark gewölbte Dächer nicht geeignet, auch Dachfenster sind schwierig zu verbauen. Für Gartenhäuser mit Tonnendach verwendet man oft Dachschindeln, da das Material besonders leicht ist und sich mit der weichen Dachform gut kombinieren lässt.

Ein Tonnendach mit Dachbegrünung
Tonnendach in Norwegen
Die Konstruktion eines Tonnendaches


Foto:

Vorteile des Tonnendaches:

  • Optimale Statik
  • Außergewöhnliches Design mit industriellem Flair
  • Viel Wohnraum im Obergeschoss mit hohen Räumen unter der Dachwölbung, interessante Einrichtungs- und Nutzungsmöglichkeiten
  • Dachausbau möglich
  • Große Flächen können problemlos überdacht werden
  • Eine flache Rundung ermöglicht ein begehbares oder begrüntes Dach

Nachteile des Tonnendaches:

  • Oft nicht mit Bebauungsplänen vereinbar
  • Komplizierte Schall- und Wärmedämmung
  • Eingeschränkte Auswahl an Materialien für die Eindeckung
  • Installation von Photovoltaikmodulen und Solaranlagen schwierig

Das Tonnendach gibt es auch bei Gauben

Die Bebauungspläne der Gemeinden, Kommunen und Städte enthalten oft strenge Vorgaben. Daher ziert die Rundform eines Tonnendaches nur selten Wohnhäuser. Informieren Sie sich vor der Planung bei dem zuständigen Bauamt.

Tonnendach: ein Spitztonnendach


Foto:

Ein rundes Dach ist definitiv etwas für Individualisten. Es eignet sich meist für ein individuell geplantes Architektenhaus, auf einem Grundstück, das nicht vom Bebauungsplan eingeschränkt wird oder für kleinere Bauprojekte wie ein Gartenhaus. Wer sich also ein modernes Haus mit besonderem Charme wünscht, könnte mit einem Tonnendach gut bedient sein.

Eine dezentere, aber dennoch optisch ansprechende Alternative sind Dachgauben mit einem Tonnendach. Die runde Form des Tonnendaches auf der Gaube harmoniert dabei besonders mit der geradlinigen Form eines Satteldaches oder Walmdaches und verleiht dem Haus eine besondere Optik.

Jetzt weiterlesen: Gaube, Fenster – oder beides? Wie Sie mehr aus Ihrem Dach herausholen.

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten: