Simone Orlik

Das Walmdach: vier Seiten für besondere Wetterfestigkeit

Vier gleich geneigte Seiten, ein Dachfirst: Wegen seiner typischen Dachform ist das Walmdach leicht zu erkennen – und eine der ältesten Dachformen, die es gibt. Im Mittelpunkt steht seine stabile Konstruktion, die seit Jahrhunderten Bauernhäuser und Gutshöfe vor Regen, Wind oder Schnee schützte. Auch herrschaftliche Stadtvillen wurden im 19. Jahrhundert mit Walmdach umgesetzt.

Das Walmdach in heutiger Zeit

Längst hat das Walmdach auch beim Neubau Einzug gehalten und ist ebenso beliebt wie das Satteldach und das Pultdach. Vor allem Anbieter von Fertighäusern haben Bungalows und Stadtvillen mit bis zu zwei Vollgeschossen und Walmdach im Angebot. Üblicherweise deckt man Walmdächer mit Ziegeln ein, im norddeutschen Raum mit Reet. Metall kommt seltener zum Einsatz. Ein kleiner Wermutstropfen: Aufgrund seiner komplexen Konstruktion ist das Walmdach teurer als andere Dachformen.

Lesetipp: Informieren Sie sich rund um die Dacheindeckung Ihres Bauvorhabens und regionale Unterschiede.

Rohansicht eines Walmdachs


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Was macht ein Walmdach aus?

Vergleicht man das Walmdach mit dem typisch deutschen Satteldach, wird der Unterschied sofort deutlich. Von außen betrachtet erscheint das Walmdach wie eine Haube, die sich über den Gebäudekern stülpt. Während das Satteldach aus zwei Dachflächen besteht, hat das Walmdach zusätzlich zwei geneigte Dachflächen an den Giebelseiten, die sogenannten Walme. Alle vier Seiten haben dabei die gleiche Höhe und Neigung und schließen auf gemeinsamer Höhe, dem sogenannten Dachfirst, ab.

Ebenfalls charakteristisch für das Walmdach: die Dachneigung. Häufig verfügt das Walmdach über eine Neigung von 25 Grad. Es sind aber deutlich flachere Neigungen bis zu 15 Grad oder steilere Dächer bis zu 40 Grad möglich. Eine Besonderheit sind historische Bauernhäuser, die noch stärkere Neigungen und große Dachüberstände zeigen, welche das Gebäude fast überdecken. Sie sorgen für den Schutz der Fassade gegen Regen und Wind.

Übrigens: Treffen die Dachflächen in der Höhe nicht zu einem Dachfirst, sondern einer gemeinsamen Spitze zusammen, spricht man nicht von einem Walm-, sondern Zelt- oder Pyramidendach.

Pyramidenwalmdach: Alle Seiten laufen zu einer Spitze zusammen


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Vorteile des Walmdaches

Wer in klimatisch rauen Regionen bauen möchte, ist mit einem Walmdach gut beraten. Die geneigten Dachflächen bieten deutlich weniger Angriffsfläche für Wind, als es beim Satteldach der Fall ist. Grund dafür ist die aufwendige Konstruktion: Die Gratsparren bilden zusammen mit Sparren, Schiftern und Pfetten (beziehungsweise Mauerlatten) Dreiecke in der Dachfläche, die das Dachtragwerk aussteifen. Der Dachüberstand (wenn vorhanden) an allen vier Seiten schützt dazu die Fassade.

Rotes Walmdach mit Solarzellen


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Auch energetisch bringt das Walmdach Vorteile, stehen doch potenziell alle vier Dachflächen zur Verfügung, um Photovoltaikmodule zu montieren. Und wer die Natur auf dem Dach liebt, setzt eine Dachbegrünung um. Bedingung: Die Neigung sollte mit 15 Grad relativ flach sein.

Hat das Walmdach Nachteile?

Auch wenn die komplexe Konstruktion des Walmdaches zahlreiche Vorteile bietet: Im Vergleich zu anderen Dächern müssen Sie als Bauherr tiefer in die Tasche greifen. Nicht nur die technische Ausführung ist anspruchsvoller. Das Walmdach hat im Vergleich zum Sattel- oder Pultdach auch deutlich mehr Fläche, die Sie verbauen und eindecken müssen. Ein Richtwert: Im Vergleich zum Satteldach ist das Walmdach in etwa ein Drittel teurer.

Walmdach aus der Vogelperspektive


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Wer das Obergeschoss nur als Lagerraum nutzen möchte, für den kommt ein Walmdach mit sehr flacher Neigung und ohne Fenster in Betracht. Sobald Wohnraum unter dem Dach gewünscht ist, sollte das Dach mindestens eine Neigung von 30 Grad haben. Dachflächenfenster oder Gauben beanspruchen zusätzlich das Budget, sorgen aber für jede Menge Tageslicht.

Sonderform Krüppelwalmdach: Kleine Walme und viel Licht

Eine Alternative zum klassischen Walmdach ist das sogenannte Krüppelwalmdach, das Elemente von Sattel- und Walmdach kombiniert. Der Unterschied: Nur die oberen Teile der Giebel sind abgewalmt. Darunter befindet sich wie gewohnt eine vertikale Giebelwand, die sich mit Fenstern ausstatten lässt. Ein entscheidender Vorteil: Die Wohnbereiche erhalten auf diese Weise mehr Tageslicht und lassen sich noch besser nutzen.

Walmdach: Graues Krüppelwalmdach mit externem Schornstein


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Ein bekanntes Beispiel für eine Krüppelwalm ist das Schwarzwaldhaus. Das weit heruntergezogene Dach ist meistens zur Wetterseite ausgerichtet, hält viel Wind und noch größere Schneemassen aus. Krüppelwalme an den Giebeln ermöglichen trotzdem breite Balkone. Die Norddeutschen bauen vor allem Reetdächer als Krüppelwalm.

Die Investition lohnt sich

Viel Dachfläche und ein solider Schutz gegen Wind und Wetter: Ein Walmdach ist nicht nur optisch der Glanzpunkt eines Hauses. Mit seiner ausgeklügelten Technik bietet es vor allem wirksamen Schutz für Jahrzehnte.

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